WIR

28. Juli 2021 Geschrieben von Zweiter Vorsitzender. in Wanderrudern

Wir waren vom 22.-25 auf einer Rudertour in Brandenburg, am Ruppiner See. Wir waren 14 Ruderer aus Bremen, aus Meyenburg, Osterholz-Scharmbeck, aus Worpswede, aus Leimen.

Wir, Iris, Christa und ich, trafen uns in Worpswede.

„Wir“ heißt dort eine Ausstellung: Bilder für eine neue Kunst des Zusammenlebens. Das Titelbild ist von Heinrich Vogeler, 1927 mit Öl auf Leinwand gemalt. Es heißt „Zentralasien“. Tragendes Bildelement ist der rote Stern. Die Ausstellung ist aus der Erkenntnis entstanden, daß in unserer „ich-zentrierten Gesellschaft“ das „Wir“ Gefahr läuft, verloren zu gehen. Mit der Ausstellung „Wir“ möchten die Worpsweder Museen der Frage nachgehen, welche Impulse die Kunst für eine neue „Wir-Kultur“ geben kann.

Wir fahren los: Worpswede lassen wir hinter uns. Auf dem Weg zur Autobahn durchqueren wir den Ort „Nartum“. Ich weiß, daß dort der Schriftsteller Walter Kempowski gelebt hat.

Iris erzählt, daß sie dort aufgewachsen ist und in der Schule Unterricht bei Kempowskis Ehefrau hatte.

Ich finde das sehr spannend.

Tadellöser und Wolff ist Bestandteil meiner Bibilothek.

„Kinder, wie isses schön.Nein, wie isses schön. Zu und zu schön. Uns geht’s ja noch gold. Tadellöser & Wolff! Sowas kommt von sowas.“

Und dann sind wir da:

Wir verlassen Niedersachsen, durchqueren Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern, um in Brandenburg anzukommen.

Wir sind jetzt Teil einer großen Gruppe, die sich täglich neu in drei kleine Gruppen sortiert, um bei bestem Wetter über das Wasser zu fahren:

 

Fontane, Sohn der Stadt Neuruppin, wurde mit seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ weltberühmt, auf meiner Stube im Gästehaus des Neuruppiner Ruderclubs fand ich ein Buch von 1984 von Rudolph Stiege von der Berliner Morgenpost mit dem Titel „Streifzüge durch die Mark Brandenburg“.

Damals war Deutschland noch geteilt:

Der preußische Staat, Idee und Tugend ausgenommen, ist untergegangen. Doch die Mark Brandenburg lebt weiter. Man kann sie anfassen, ihre ergebene Erde unter den Füßen spüren, den würzigen Duft ihrer Wälder atmen.

So steht es da.

Man kann aber noch mehr: Man kann durch die Seen und Flüsse rudern, so wie wir. Die Tour von Neuruppin nach Altruppin, durch den Zermützelsee, durch den Rhin und den Gudelacksee bis nach Lindow war das Highlight unserer Tour.

Lindow ist in dem Buch „Streifzüge“ ein eigenes Kapitel gewidmet: „Lindow ist so reizend wie sein Name. Zwischen drei Seen wächst es auf, und alte Linden nehmen es unter seinen Schatten“, um Fontane zu zitieren.

Wir erreichen Lindow mit einem Klinkerboot, der „Brandenburg“, einem eleganten Holzzweier, dem „Flecken Zechlin“, und der „Lindow“, einem Kunststoffvierer, alles Leihgaben des Neuruppiner Ruderclubs.

Wir essen im Lokal „Waldfrieden“- empfohlen von den Alten Herren, wie sinnreich. Wir können im See Baden, denn das Wetter ist herrlich.

Danke an Brigitte, an Enno und Katrin, an Hübis und die Irisse, Dagmar, Christine und Reimar, Reiner ist ganz aus Baden-Württemberg gekommen und Lars, der mit dem Fahrrad anreiste (Chapeau!), und Christas Kaffee war genau richtig dosiert, so daß ich gerade früh um 7 diese Gedanken aufschreiben konnte.

Unsere Wasserwanderung durch die Mark Brandenburg ist eine Genußtour erster Güte.

Nach einer Erkundung der Lanke und einem Ausflug in die Südhälfte des Ruppiner Sees ist diese „Wir-Freizeit“ zu Ende.

Wir begeben uns nun zurück in unsere eigenen 4 Wände.

Es gibt viele Erinnerungen. Da jeder ein Handy hat, wird ja alles fotografiert und in die Gruppe gestellt. Tage danach erhalte ich eine Whatsappnachricht: „Neuruppin war klasse, ich zehre immer noch davon. Die Batterie hat Power“.

 

Zurück zur Ausstellung „Wir“: „Die Corona Pandemie schärft unseren Blick dafür, wie wir mit uns selbst und miteinander umgehen. Sie macht uns bewußt, daß die zwischenmenschliche Dimension unseres Lebens alles andere als eine Selbstverständlichkeit ist.“ Wir sind sehr dankbar, daß die Coronapandemie in diesem Juli bei uns quasi eine Pause gemacht hat, trotz Deltavariante und völlig verrückten Massenveranstaltungen in europäischen Fußballstadien, so daß diese Tour möglich wurde.

Wir haben Glück gehabt.

Echt.              (von Prof. Dr. Heiner Wenk)