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Sicherheit auf dem Wasser

21. Januar 2017 Geschrieben von admin. in Aktuelles, Rudern, Rudern & Sport, Sportangebote, Vorstand

Rudern im Winter

Das Rudern ist ein Ganzjahressport geworden, und viele möchten auch im Winter nicht auf das Wassertraining verzichten. Die helle Tageszeit wird ausgenutzt so gut es geht und auch die Freizeitsportler verzichten vor allem am Wochenende bei trockenem Wetter nur ungern auf die Ausfahrten im Boot. Dagegen ist im Grunde auch nichts einzuwenden, wenn man sich über einige Fakten und Vorsichtsmaßnahmen im Klaren ist.

Besondere Vorsicht ist immer geboten. Das Eintauchen des Körpers ins kalte Wasser gilt es zu vermeiden. Auch hervorragende und erfahrene Ruderer können vor dem Kentern oder einem Vollschlagen ihres Bootes nie ganz sicher sein. Auch kann ein Bruch oder Aufspringen der Dolle, ein Wegrutschen des Klemmrings oder das Auffahren auf im Wasser treibende Gegenstände gerade im Kleinboot leicht zum Kentern führen.

Die möglichen Folgen und Folgerungen eines solchen Unglücks, die ich hier aufführen möchte, sind zusammengestellt aus dem Artikel Rudersport 24/2005.

„Kanadische und britische Studien haben gezeigt, dass 60 % der Ertrinkungsfälle in den ersten 15 Minuten passierten.“ „An Unterkühlung sterben nur gut ein Drittel aller tödlich Verunglückten.“ „Dabei gingen 63 Prozent der Unfallopfer in einem Abstand von weniger als 15 Meter zum Ufer unter. Viele waren nicht imstande, auch nur die letzten zwei Meter zu schwimmen.“

Worin liegen die Ursachen?

  1. Der Kälteschock: „Mit dem Eintauchen in kaltes Wasser werden Nervenendigungen in der Haut gereizt und lösen unmittelbar eine reflexartige Reaktion aus.“ Kaum kontrollierbar beginnt ein sehr tiefer Atemzug, der, ist der Kopf noch unter Wasser, zum Inhalieren von Wasser, zu einem akuten Lungenversagen und sofort zum Ertrinken führen kann. Auch ein nicht unterdrückbares schnelles Atmen nach ca. 30 – 60 Sekunden kann zu Krämpfen führen. Das vermehrte Ausatmen von CO2 bei der unkontrollierten Hyperventilation führt zu Muskelzittern, Taubheitsgefühlen und einer Minderung der Gehirndurchblutung, was eine rasche Handlungsunfähigkeit zur Folge hat.
    Wenn der Kopf plötzlich vollständig unter Wasser gerät, kann es zum Verlust der Atemkontrolle und auch nach dem Auftauchen zur kurzfristigen Atemblockade kommen.
    Schon bei nur 15° C Wassertemperatur vermindert sich die Fähigkeit, die Luft anzuhalten um ca. 70 %. In 5° C kaltem Wasser findet man eine Reduktion von 45 auf nur noch 9,5 Sekunden. Dies und auch der „Kälteschmerz“ können sehr schnell zur Panik führen, ein dadurch hervorgerufenes, plötzliches starkes Ausschütten von Stresshormonen kann bei vorgeschädigtem Herzen den Tod durch Infarkt zur Folge haben.
    Dringt kaltes Wasser in die Ohren, wird das Gleichgewichtsgefühl beeinträchtigt, was einen Orientierungsverlust zur Folge hat. Man weiß nicht mehr, wo oben und unten ist und taucht z. B. tiefer statt nach oben.
  2. Das Schwimmversagen: Werden Muskeln und Nerven kälter, kommt es zu einem rapiden Kraftverlust. Nach 3 – 30 Minuten im Wasser unter 15° C kommt es zum Verlust „des Streckvermögens, aber auch der gesamten Koordination von Schwimmbewegungen, bis zum völligen Schwimmversagen und zum Ertrinken.“ Dies erklärt, warum sich in Großbritannien 55 % der Ertrinkungsunfälle innerhalb von 3 m Entfernung von der Rettungsmöglichkeit (Boot, Ufer) ereigneten.
  3. Die Unterkühlung: Sie hängt von vielen Faktoren ab: von Wassertemperatur und Kleidung, Seegang und Strömung, Produktion von Körperwärme durch Kältezittern und Bewegung, dem Verhältnis von Körpermaß zur Körperoberfläche, der Dicke des Unterhautfettgewebes, von körperlicher Fitness, von vorheriger Nahrungsaufnahme, Körperposition im Wasser sowie der Willensstärke des Verunglückten. Der vorherige Genuss von Alkohol beschleunigt die Abkühlung durch die Erweiterung der peripheren Adern.
  4. Kollaps nach Rettung: Auch Stunden nach der Bergung aus dem Wasser ereignen sich noch viele Todesfälle. Als Ursachen werden der Verlust der Kreislaufstabilisierung durch das Wasser, ein Mangel an Kreislaufvolumen, Bluteindickung, Unterkühlung des Herzens sowie der psychische Stress genannt. Es kann auch zu einem weiteren Absinken der Kerntemperatur durch den Rückfluss kalter Blutflüssigkeit aus den Extremitäten kommen.

Wie kann ich nun bei all diesen Gefahren vorbeugen, was sollte ich beachten, wenn ich im Winter trotzdem rudern möchte?

  • Meine eigenen Fähigkeiten sollten besonders gut geprüft werden.
  • Dem Wetter schenke ich besondere Beachtung.
  • Das Boots- und Rudermaterial überprüfe ich auf Funktion und Ordnungsmäßigkeit intensiver als sonst üblich.
  • Die eigene Rettung kann ich vor der Fahrt mental planen.
  • Ein wasserdicht und schwimmfähig verpacktes Mobiltelefon mit programmierter Notrufnummer trage ich am Körper oder ich vergewissere mich, dass mindestens einer aus dem Boot eins dabei hat.
  • Im Kleinboot sollte ich nicht allein, sondern nur in Begleitung anderer oder des Trainers im Motorboot raus fahren und mich nicht zu weit entfernen. In unserem Gebiet beispielsweise bis zur Fußgängerbrücke.
  • Eine Rettungsweste ist zu empfehlen. Es gibt solche, mit denen man ungehindert rudern kann und die durch Ruderer erprobt sind.
  • Geeignete Kleidung, engmaschige Socken, Hose enganliegend und atmungsaktiv, Jacke, hochatmungsaktiv und wasserdicht und Mütze in Signalfarbe können im Ernstfall von entscheidender Bedeutung sein.
  • Renn- und Gig-Großboote haben oft zu wenig eigenen Auftrieb, hier helfen zusätzlich eingebrachte, aufgeblasene Luftsäcke.

Wie verhalte ich mich, wenn der Ernstfall des Kenterns oder Vollschlagens trotz aller Vorsicht doch eintritt?

  • Ich halte den Kopf über Wasser und bringe meine Atmung unter Kontrolle!
  • Wir bleiben alle zusammen am Boot und versuchen den Körper so weit wie möglich aus dem Wasser bekommen, Oberkörper auf den Bootsrumpf legen, gegebenenfalls Ruder als Schwimmhilfe benutzen.
  • Wir rufen Rettung durch lautes Rufen oder per Handy herbei.
  • „Positiv“ denken, die Rettung kommt ganz bestimmt!!
  • Kopfbedeckung/Mütze aufsetzen, um Energie zu sparen.
  • Wenn keine Möglichkeit besteht aus dem Wasser zu kommen: Kopf aus dem Wasser halten, alle Körperbewegungen minimieren und allenfalls die Beine bewegen.
  • „Die Entscheidung zur Selbstrettung durch Schwimmen ans Ufer sollte ausdrücklich der letzte Ausweg wegen Gefahrenstellen wie Wehren und Staustufen sein, weil sie am wenigsten Aussicht auf Erfolg hat.“ Dies trifft vor allen Dingen auf Flüsse und Seen zu und wenn dann mit dem Boot schwimmen.

 Wie verhalte ich mich als Retter? Was kann ich tun, um Verunglückten zu helfen?

  • Ich rufe so schnell wie möglich professionelle Hilfe.
  • Wenn notwendig, gehe ich als Retter so langsam wie möglich ins Wasser und schwimme erst dann, wenn meine Atmung unter Kontrolle ist, sonst braucht ich selbst Hilfe.
  • Das Unfallopfer bringe ich bei der Bergung so schnell wie möglich in die horizontale Lage, um einen Kollaps zu vermeiden.
  • Ich decke das Opfer zu, um es vor weiterem Wärmeverlust zu schützen.
  • Ich bringe oder lasse das Unfallopfer umgehend ins Krankenhaus bringen.

In meinem Schlusssatz schließe ich mich den Ausführungen der Rudersport-Autoren Dr. med. Frank Praetorius, Kardiologe Offenbach und Carl-Friedrich Ratz, Berlin an:

„Mit den Ideen und Maßnahmen sollen für Ruderer einfache Möglichkeiten zur Verbesserung der Sicherheit und Rettung aufgezeigt werden – ohne Anspruch auf Methodenkompetenz und Vollständigkeit. Es sollte jeder selbst und hoffentlich im „Warmen“ entscheiden.“

Ich hoffe, dass niemand von uns in die Lage kommen wird, diese Ideen und Maßnahmen zu brauchen.

In diesem Sinne: fröhliches Winterrudern!