Beiträge mit Tag ‘regatta’

Fari Cup 2018 – Ein Erlebnis in drei Akten

24. November 2018 Geschrieben von admin. in Aktuelles, Fitness- und Freizeitrudern, Rudern, Rudern & Sport, Veranstaltungen

Es ist Samstag, der 3. November. Die winterliche Nacht liegt noch über den
Hammewiesen, als sich die ersten Autos samt Anhänger mit drei Vierer-Gigs in Richtung Hamburg in Bewegung setzen. Es ist kurz vor sieben, stockdunkel und klirrend kalt – weiße Nebel schweben gespenstisch über den Niederungen – doch die Ruderer der Fitnessgruppe sind bereits hellwach und fiebern ihren Rennen beim Fari Cup entgegen.

Erster Akt

Ganz nah am Sieg

“So gut waren wir noch nie“ – das sind die Worte unserer Trainerin auf dem Weg zurück nach Hause. Was für ein Tag liegt hinter uns!

Der RV OSCH ist mit 3 Vierern auf dem 27. Fari Cup in Hamburg vertreten. Allerbestes Herbstwetter, eine spiegelglatte Alster und 3 gutgelaunte und bestens vorbereitete Mannschaften warten auf ihre Rennen. Da sitze ich nun in meinem Regattatrikot und warte auf den Start. 61 Jahre hat mich der
liebe Gott werden lassen, und ich habe dieses flaue „vor dem Wettkampfgefühl“ noch immer, wie damals als Schülerruderer auf der Maschseeregatta. Gemächlich sind wir die Alster hinaufgefahren, haben uns eingereiht mit unserer Startnummer 64, ich habe Kameraden vom RC Normannia aus Braunschweig und vom Ersten Kieler Ruderclub begrüßen können, ein Boot aus Bremen und eines aus Lübeck ist gar als Gegner in unserem Rennen. Elke, unsere Steuerfrau und Schlagmann Lars sind alte Hasen, Rainer und Torsten sind zum ersten Mal dabei, entsprechend aufgeregt. „Können wir noch mal anlegen?“ Elke: „Auf keinen Fall! Ausziehen jetzt!“

Fliegender Start.
Wir kommen gut weg.
Konstanter Abstand zum Boot hinter uns. Elke steuert professionell. Kein Fehler.
Ich merke nach dem ersten Kilometer sehr meine Sauerstoffschuld, aber das gibt sich wieder. Lars rudert einen hervorragenden Schlag.
Dann die letzte Brücke vor der Außenalster: Brigitte steht am Geländer und ruft uns zu: „Groß bleiben und gleich habt ihr sie!“
Und tatsächlich liegen wir mit dem Lübecker Boot schon auf gleicher Höhe. Sehr geschickt steuert Elke die gelbe Boje an und die Lübecker müssen ausweichen, wir haben sie geknackt.
Dann die lange Gerade bis ins Ziel.
Der Weg ist weit, aber wir halten den Schlag und das Tempo.
Am Ende sind wir Zweiter, hinter dem Bremer Boot, aber vor Lübeck und Hamburg, und die Sieger waren gerade mal 10 Sekunden schneller als wir.
Mit unserem neuen Boot werden wir das im nächsten Jahr auch noch schaffen! Wir werden daran arbeiten.

„Danke“ an die Steuerfrau, die Trainerin, die Mannschaft, und an die Fari Cup-Organisateure.

Heiner Wenk aus der „Schink“

Zweiter Akt

Pensionärsvierer mit Kraft und Spaß dabei

Unser Dank gilt den Organisatoren des Fari Cup, alles bestens organisiert, bestes Wetter bestellt, kein Streß , keine Hektik……, das übertrug sich auch auf uns, die wir hier schon am Start waren und in einer neuen Besetzung unser Können beweisen wollten.

Wir, das sind: Matthias, unser Steuermann, Schlagmann Enno, der uns die letzten Wochen mit Brigitte zur Mannschaft formte, der unsere gemeinsamen Termine koordinierte und uns wie Brigitte motivierte. Auf 3 Werner, der vom „Einerfahrer“ zum Mannschaftsspieler aufstieg. Auf 2 Erhard, der mit Ruhe und Gelassenheit auch für Druck im Boot sorgte. Und auf 1 Jörg, der sich nach einer Regattapause im letzten Jahr wieder darauf freute dabei zu sein.
Nachdem wir alle gemeinsam unsere Boote startklar gemacht hatten, ging es zum Steg. Ablegen – und mit unserer „Kiebitz“ glitten wir entlang der noblen Bootshäuser auf der Außenalster hinein in die Kanäle Hamburgs. Matthias führte uns ruhig und bestimmt an die Startposition – mal mit „halber Kraft“, mal mit kurzem Anzug „auf Dreiviertelkraft“, so dass wir unseren Rhythmus einstimmen konnten.

Nachdem wir unsere warme Kleidung abgelegt hatten, und unsere RV OSCH Trikots bei schönstem Sonnenschein zur vollen Geltung kamen, ging es langsam auf die Startlinie zu – die Ansage erfolgte und mit einem fliegenden Start ging es in das Rennen. Die ersten 10/20 harten Schläge gaben der „Kiebitz“ schon auf Höhe der Startlinie den Schub, den wir dann in einen guten Rhythmus umsetzen konnten.
„Die Beine, die Länge, die Ruhe auf der Rolle , klares Setzen und Schub“ so ging es in meinem Kopf – Automation – alles jetzt auf den Punkt bringen – Matthias bringt uns auf den ersten 1000 Metern gut auf die Strecke, wir geben uns hinein und mit einer Mannschaft die es wissen will, ziehen wir mit Freude an unserer Trainerin Brigitte vorbei in den ersten Spurt, der uns noch näher an das vor uns gestartete Boot führt. Noch eine Brücke, dann die Außenalster, und wir schieben uns an das Boot heran. Wir hören die andere Mannschaft, aber unser Schlag, unser Druck geht nochmals höher, die Länge bleibt – wir sind auf ihrer Höhe und ziehen jetzt vorbei – keine Blicke zur Seite, Konzentration – Matthias will mit uns den nächsten Vierer knacken. Wir hören die Rufe vom Landungssteg, wir setzen an und sind auf den letzten 1000 Metern, „Wir schaffen das!!!!“…., geschafft , jetzt noch mal alles geben –„Ihr gebt alles…“Matthias hat uns voll im Griff, wir hören die Ansagen vom nahenden Ruderclub – die Schlagzahl geht nochmal hoch – die Länge bleibt – mehr Druck geht nicht mehr als 27? oder? – Wir durchfahren
das Ziel mit allem was geht, geschafft –
Alles pocht, jetzt weiter gut durchatmen, ausrudern – genießen und eine Abschlussrunde auf der Binnenalster, jetzt um die große Fontäne ein Blick auf „Hamburgs gute Stube“ mit Regenbogen – Erhard zückt die Filmkamera – noch ein Bild – dann zum Steg. Wir sind Gruppenzweiter und zufrieden mit unserer Leistung, mehr als nur dabei zu sein! Hamburg wir kommen wieder, 2019 Fari Cup

Erlebnisse von Jörg Fanelli aus der „Kiebitz“

Dritter Akt

Frauenpower bis zuletzt

Mir ist kalt, als ich gegen 9 Uhr mit den anderen den Hänger ablade. Fünf Grad Celsius machen wenig Mut, wenn man die nächsten fünf Stunden vor dem Start draußen verbringen und sich obendrein auf eine lange, bewegungslose Wartezeit in der Schlange vor dem Start der Einzelzeitrennen gefasst machen muss. Zum Glück strahlt die Sonne bereits vom blitzeblauen Himmel. Das macht Mut. Ich sehe trotzdem aus wie ein Michelin-Männchen in meinen Kleidungsschichten, doch dieser Look erscheint mir für die nächsten Stunden arterhaltend – genau wie den meisten der rund tausend Ruderer, die an diesem Tag die Alster in ihren Booten erobern wollen. Das bunte, kameradschaftliche Treiben und der herrliche Sonnenschein verkürzen die Wartezeit enorm: Überall werden Boote über den Weg an der Alster getragen, von Mannschaften in schneidigen Teamoutfits. Stimmengewirr, Gelächter, Lautsprecherdurchsagen vom Steg am Clubhaus des Gastgebers. Als letztes Boot unserer Entourage starten wir erst kurz vor zwei. Gegen 12.30 Uhr gibt
unsere Steuerfrau Iris endlich das Signal. Dann darf die „Hedwig“ auf die Alster und vor uns liegen ein paar Kilometer bis zum Start- und Sammelpunkt im Ortsteil Barmbek. Die Stimmung ist super: Schlagfrau Jenny, Christa, Christine und ich lassen unter der Ägide von Iris die herrschaftlichen Alstervillen an uns vorbei ziehen. Die Sonne glitzert auf dem Wasser und halb Hamburg ist draußen auf den Beinen.
Auf dem Weg zum Sammelpunkt lesen wir die Startnummern der anderen Boote und nehmen schon einmal unsere Konkurrentinnen ins Visier. Wir haben ein starkes Feld vor uns – unter anderem eine Renngemeinschaft aus ehemaligen Leistungssportlerinnen. Einschüchtern lassen wir uns davon nicht. Jede von uns wird alles geben an diesem Tag.
Plötzlich stehen wir kurz vor dem Start und verstauen die letzten wärmenden Schichten unter den Rollsitzen. Der Wind ist kalt, doch das registriere ich kaum noch. Fliegender Start – Jenny zieht auf 28 Schläge hoch. Die Hedwig wird nach vorn katapultiert. Nach ungefähr 30 Schlägen pendeln wir uns auf unseren Rennschlag von 25 ein. Es läuft super! Wenige hundert Meter, bevor wir auf die Alster fahren, höre ich eine laute
Stimme – ich kann es kaum glauben, sie ruft unsere Namen. Wir werden angefeuert – es ist Brigitte. Wow! – Wir hauen rein und erreichen die Alster. Iris lässt nicht locker und heizt uns mit ständigen Zurufen an: „Ihr kommt immer näher an das nächste Boot ran. Zieht durch!“ Wir überholen eine Alsterbarkasse – die war aber nicht gemeint. Die lange Gerade bis zum Ziel scheint kein Ende zu nehmen. Jenny fightet vor mir und ich gebe alles, um dran zu bleiben. „Noch zweihundert Meter“, schreit Iris. Dann höre ich den Kommentator am Steg. Der Endspurt verlangt uns das Letzte ab, was noch in unseren Muskeln steckt. Gut, dass wir jetzt zusätzlich vom Ufer aus angefeuert werden. Das müssen unsere Männer sein, die ihre Rennen längst absolviert haben. Dann tönt die Hupe. Geschafft!
Unser Puls rast, aber wir jubeln innerlich. Gelächter, der Atem kommt zurück für erste Gesprächsfetzen. Was für ein Rennen! Wir fahren unter der Kennedybrücke hindurch und umrunden die große Fontäne auf der Binnenalster. Ein Regenbogen wird im Wassernebel sichtbar. Ich spüre das Glück jeder einzelnen Kameradin im Boot. Das es am Ende nur für den vierten Platz in unserer Wertung gereicht hat, schmälert das Erlebnis kein Stück. 4,2 Kilometer in 19.43 Minuten, immerhin 14 Sekunden schneller als im letzten Jahr. Da ist noch Luft nach oben. 2019 bin ich wieder dabei!

Ein ganz besonderer Dank gilt an diesem Tag Elke und Matthias, die sich kurzfristig als Steuerleute für die Männerboote bereit erklärt hatten. Außerdem danken wir Lars, der unsere Boote samt Hänger versiert zum Sattelplatz gebracht hat und sich nicht von dem dort herrschenden Chaos aus der Ruhe bringen ließ! Ebenso danken wir unserer Ersten Vorsitzenden Monika, die ihren Samstag als Kinderbetreuerin von Insa am Rande des
Geschehens verbracht hat und uns allen spürbar die Daumen gedrückt hat. Ein riesengroßes Dankeschön hat sich unsere Trainerin Brigitte verdient, die uns in den letzten Monaten auf das Rennen vorbereitet und diesen Tag super organisiert hat.

Wiebke Gloe-Carstensen aus der „Hedwig“

Fari Cup 2017 – Ein Erlebnis in zwei Akten

9. November 2017 Geschrieben von admin. in Aktuelles, Fitness- und Freizeitrudern, Rudern, Rudern & Sport, Sportangebote

Fari Cup 2017 - Frauen-Vierer auf der Alster
Erster Akt

Die Ruhe nach dem Sturm

Erlebnisse aus dem Herren-Vierer von Heiner Wenk

Geschafft.
Wir waren aufgeregt.
Gemächlich sind wir über die Außenalster und durch den Alsterkanal zum Start gerudert. Wunderbares Spätherbstwetter, angespanntes Schweigen im Boot, unser Vierer stellt etwa ein Promille der Teilnehmer an dieser großen Herbstregatta in Hamburg dar. Eine endlose Reihe von Booten auf dem Weg zum Start, auf den letzten paar Hundert Metern einsortieren in die Startreihenfolge.
Warten.

Dann: Eine Anlegemöglichkeit. Alle wollen doch noch mal austreten: Das ist die Aufregung.
Alle 30 Sekunden fährt ein Boot los.

Es geht los. Dreiviertel, halb, halb, dreiviertel, volle Länge. 10 Dicke. Dann: 24er Schlag. Lang durchziehen. Beinstoß.

Nach den ersten 200 Metern merke ich: Das halte ich nicht durch. Die Atmung ist schnell, das Herz rast.
Und dann kommt er doch, der Rhythmus, der Dauerleitungsmodus. Aerobe Glykolyse. Jetzt läuft es, ausatmen beim Endzug, ruhiges Vorrollen, das Boot läuft gut, die Steuerfrau treibt uns an, zeigt sich aber mit der Leistung einverstanden. Positive Verstärkung nennt man das.

Dann kommen die Trommler, die kennt man schon vom letzten Mal. Wir wissen hier: Bald ist der Alsterkanal zu Ende und wir kommen auf die Außenalster.

Dort sind Wind und Welle, das Boot läuft nicht mehr ganz so harmonisch, aber wir überholen sogar einen anderen Vierer. Wieder: Positive Verstärkung.
Das Ziel kündigt sich an: Lautsprecherdurchsagen, Lärm, Musik.

Ich kann nicht mehr,
aber ich kann doch noch. Die Kraft war gut eingeteilt.

Noch hundert Meter ins Ziel. Dann die Hupe. 18 Minuten und ein paar Zerquetschte.
Ohne Kraft unter der Kennedybrücke durch auf die Binnenalster. Die Wasserfontäne in der Wintersonne: Ein Gedicht. Fotos. Die Bebauung: Prachtvoll. Hapag-Lloyd – da ist auch Bremen drin, in Hamburg.
Wie gut man sich jetzt fühlt: Das ist die Ruhe nach dem Sturm.

Wir sind voller Endorphine, Adrenalin, Serotonin, Dopamin.
Früher waren immer die Endorphine schuld am Wohlbefinden. Heute weiß man: Die gelangen gar nicht bis ins Gehirn. Machen wohl nur periphere Schmerzstillung.

Also: Doch das Serotonin?
Oder der Rhythmus?
Oder neue Synapsen?
Oder Dopamin?

Es ist egal. Dauerleistung macht glücklich. Nicht nur uns:

Ratten und Mäuse laufen gerne. Experimente aus den Neunziger Jahren haben bewiesen, dass Ratten, bei denen man im Käfig das Laufrad blockiert hatte, in Intelligenztests schlechter abschnitten als Tiere, die sich im Laufrad austoben durften.
Sicherlich wissen das auch die Arbeitgeber.
Wenn sich das Hamsterrad jedes Jahr schneller drehen soll, dann ist das aus reiner Fürsorge: Sie möchten, dass es uns einfach besser geht.

Wir rudern zum Steg zurück, ein Bier, Siegerehrung, Boote verladen, nach Bremen zurück in den Alltag, nein: In den Sonntag. Die Ruhe genießen.

 

Zweiter Akt

Rennen mit Debütantinnen

Erlebnisse aus dem Damen-Vierer von Wiebke Gloe-Carstensen

Ein Novembersamstag wie aus dem Bilderbuch: Es ist 10.30 Uhr und an der Straße „An der Alster“ schließen sich die letzten Parklücken des kleinen, abgesperrten Bereichs mit Bootsanhängern. Einen Sattelplatz hatte ich ganz anders in Erinnerung. – Aber dafür sind wir in Hamburg! Im Südosten kämpft sich die Sonne durch den hanseatischen Hochnebel, der über der Binnenalster mit dem Wassernebel der Fontäne verschwimmt. Herrlich, wieder einmal in Hamburg zu sein – meiner alten Wahlheimat. Damals hatte ich noch keine Vorstellung vom Rudern, sondern nahm die Alster eher als regelmäßige Kulisse meiner Trainingsläufe wahr… und ärgerte mich gelegentlich darüber, wenn mir von einem transportierten Ruderboot der Weg abgeschnitten wurde. Heute ist die Perspektive eine andere.

Noch dreieinhalb Stunden bis zum Start. Die Stimmung rund um den RV-OSCH-Anhänger, der durch Familienangehörige und angebotene Snacks aller Art belebt wird, ist locker und herzlich. Routiniert werden die „Hedwig“ und die „Schink“ aufgeriggert, Rennprognosen abgegeben und Strategien innerhalb der Mannschaft durch das Coaching von Brigitte Haase gefestigt. Zusammen mit Christine Duddeck darf ich heute mein Regatta-Debüt hinlegen. Ein gutes Gefühl – gemeinsam mit den erfahrenen Ruderinnen Jenny Furken, Katrin Strehl und Elke Näwig als Steuerfrau! Wir haben hart trainiert, sind aufeinander eingeschworen und strahlend bester Laune. Unsere einzige Sorge ist die Gewissheit, mindestens eine Stunde vor dem Start in Barmbeck im Sammelbecken warten zu müssen – bei frischen 10 Grad und ohne jede Chance, noch einmal Panik-Pipi entsorgen zu können.

Der Herren-Vierer darf eine halbe Stunde vor uns auf die Alster und ist längst außer Sichtweite, als wir unter der Ägide von Elke in See stechen, um zur vorgeschriebenen Zeit den Startbereich zu erreichen. Noch verdecken diverse Lagen wärmender Kleidungsstücke unsere Mannschaftstrikots. Rund vier Kilometer bis zum Start liegen vor uns: Reichlich Zeit, um während des Warmruderns die atemberaubend schöne Kulisse aus Kennedybrücke, Kirchtürmen und der Elbphilharmonie samt urbaner Skyline zu bestaunen. Noch dürfen wir nach rechts und links schauen: Am Ufer lassen wir stattliche Alstervillen hinter uns und schlängeln uns von den breiteren Alster-Arterien hinter der Krugkoppelbrücke bis ins Kapillarsystem Barmbecks Richtung Sammelbecken. Es wird immer enger und die Dichte der Boote nimmt stetig zu. Ich bin heilfroh, in Steuerfrau Elke einen erfahrenen Vollprofi zu wissen, der uns sicher an allen Klippen vorbei steuern wird. Wir rudern ganz achtsam. Schließlich gilt unsere gesamte Muskelkraft dem bevorstehenden Rennen! Das langsame Rudern steigert meine Lust, später absolut alles zu geben, von Minute zu Minute. Der Adrenalin-Spiegel in unseren Adern schaukelt sich hoch. Doch es hilft alles nichts: Die Warterei bis zur erlösenden Start-Aufstellung zieht sich weiter hin.

Dann geht auf einmal alles ganz schnell: Das Startsignal ertönt. Blitzschnell schalten wir in den Startmodus und beschleunigen die „Hedwig“ auf mehr als 26 Schläge pro Minute, um wenig später ganz langsam auf unseren 24er Rennmodus runterzufahren. Unsere lange, synchrone Wasserarbeit und das langsame Vorrollen katapultieren unser Boot vorwärts. Das hinter uns gestartete Gig der Lübecker Frauen rückt außer Sichtweite. Auf einmal taucht neben mir die Gabelung der Außenalster auf. Ich kann es kaum glauben: Zwei Drittel der Strecke liegen bereits hinter uns! Die Mannschaft hat noch Reserven, das spüre ich genau. Auf einmal verwandelt sich das stille Wasser des Nebenarms auf der Außenalster in Kabbelwasser. Der Wind frischt auf und verlangt uns alles ab, was noch in uns steckt: Konzentration beim Blätterhochscheren und Setzen, unbändige Kraft beim Beinstoß und Endzug sowie jede Menge Lungenvolumen.

Plötzlich erreichen wir die Zielgerade: Wir erhöhen noch einmal die Schlagzahl. Unsere Steuerfrau und unser Ehrgeiz mobilisieren die letzten Reserven. Unsere Lungen und Muskeln brennen. Auf einmal höre ich die Stimme des Sprechers am Steg, die im Gebrüll zahlreicher Stimmen untergeht. Das müssen unsere Herren sein, die bereits“ die Ruhe nach dem Sturm“ am Steg genießen und zusammen mit Brigitte samt Begleitstab unserem Finale entgegenfiebern. Wir passieren die gelbe Boje. Die Hupe tönt. Was für ein Rennen! Das Ergebnis: 19:57 und ein respektabler vierter Platz in einer Startgruppe von acht Booten.

Lucas Mauermann und Thorben Schnibbe qualifizieren sich für den Bundeswettbewerb

18. August 2017 Geschrieben von Susanne Steeneck. in Aktuelles, Jugendabteilung, Rudern, Rudern & Sport

Landesentscheid Niedersachsen 2017

Für vier Kinder begann der Ruder-Sommer mit dem Landesentscheid Niedersachsen 2017 in Hannover am 10. und 11. Juni 2017.

Für Benita Razetti und Chantal Schröder stand dieses Ziel schon nach dem Wintertraining fest, denn bereits im letzten Jahr konnten Sie sich mit ihrer Teilnahme beim Landesentscheid 2016 in Otterndorf für den Bundeswettbewerb 2016 in Salzgitter qualifizieren und sich dort im Mittelfeld behaupten.

Für Thorben Schnibbe und Lucas Mauermann hingegen kam die Teilnahme eher spontan. Sie konnten mit Ihren guten Leistungen im 2x sowie im 1x auf den Regatten in Bremen und besonders in Otterndorf ihre Trainerinnen Susanne Steeneck und Svenja Thiel überzeugen und wurden dafür mit ihrem Start auf dem Landesentscheid belohnt.

Da die beiden Mädchen seit über einem Jahr sowohl von den Kindertrainerinnen als auch von den Juniorentrainern betreut wurden, hatten die Betreuung in Hannover Johannes Mangold und Marlon Kutzsche übernommen und sich kurzfristig bereit erklärt auch die Jungs mit unter ihre Fittiche zu nehmen.

Beide Teams starteten im 2x jeweils auf der Langstrecke mit Wende über 3000 m und im Rennen über 1000 m.

 

Pechvögel

Leider waren Benita und Chantal an diesem Wochenende vom Pech verfolgt. Auf der Langstrecke waren sie am Samtag zwar flott unterwegs, nahmen aber bei der Wende eine Boje falsch und bekamen dafür eine Strafzeit angerechnet. Somit landeten sie mit einer Zeit von 13:32,9 nur auf Platz 4. Eine Qualifikation zum Bundeswettbewerb war nun nur noch mit einem Sieg über 1000 m möglich.

Am Sonntag ging es bei der 1000 m Distanz ganz konzentriert an den Start. Die RV Oschlerin konnten sich einen kleinen Vorsprung gegenüber ihren Gegnerinnen erkämpfen, doch dann wurde auf Grund einer Kollision zweier Boote das Rennen abgebrochen und ohne Berücksichtigung der bisherigen Platzierungen neu gestartet. Nach der Störung konnten Chantal und Benita nicht wieder an ihrer zuvor gezeigten Leistung anknüpfen und mussten wieder drei Konkurrenzbooten beim Zieleinlauf den Vortritt geben. Somit war der Traum von einem Ticket zum Bundeswettbewerb 2017 in Brandenburg geplatzt.

Die Herbstsaison kommt aber ja noch und da können die Zwei erneut beweisen, was in Ihnen steckt.

 

Silberkinder

Lucas und Thorben hingegen konnten bis auf ein Duo aus Hannover alle anderen Rivalen abhängen und glänzten bei der Langstrecke mit einer Zeit von 13:27,20 und über 1000 m mit 04:15 auf einem 2. Platz. Die Gegner Felix Bauß und David Erfanian vom Hannoverscher Ruder-Club von 1880 e.V. hatten mit Zeiten von 12:39,70 und 03:59,90 einen großen Vorsprung, aber als wir unsere Jungs vor kurzem nach ihrem Ziel für 2018 fragten, meinten sie: „Die Beiden vom Hannoverschen Ruder-Club schlagen!“ Na, wenn das keine Ansage ist! Im Winter werden bekanntlich die Sieger für den Sommer gemacht, also nichts wie ran an die Arbeit! Die Einstellung gefällt euren Trainerinnen. Vielleicht ist ja die nächste Begegnung schon Ende September dieses Jahres in Hamburg, also nichts wie ran an die Arbeit oder besser an die Skulls! Nun heißt es an der Technik feilen.

Die Qualifizierung für den Bundeswettbewerb 2017 in Brandenburg kam überraschend und da dieser Wettkampf in den niedersächsischen Sommerferien lag, hatten sowohl Lucas und Thorben schon Urlaubspläne und verzichteten daher auf eine Teilnahme. Für 2018 gibt es für die beiden erst eine Reise zum Ende der schulfreien Zeit, den diese Möglichkeit wollen sie sich nicht ein zweiten Mal nehmen lassen.

Regatta Otterndorf

20. Juni 2017 Geschrieben von Susanne Steeneck. in Aktuelles, Jugendabteilung, Rudern, Rudern & Sport, Veranstaltungen

Regatta Otterndorf 2017

Medaillen fischen auf dem Hadelner Kanal

Otterndorf immer wieder eine Reise wert!

Wie jedes Jahr freuten sich schon alle auf die Regatta in Otterndorf. Dort kann man nicht nur gut Rudern sondern auch auf der gesamten Regattastrecke super zuschauen und anfeuern, die Trainer die Kinder und Junioren im Wettkampf mit dem Rad begleiten, die stets freundliche Atmosphäre genießen, Kontakte knüpfen, den Teamgeist spüren, von den Junioren lernen und gemeinsam anpacken.

 

Sieg in den unterschiedlichsten Klassen

Acht Medaillen brachten die RV OSCH Kinder mit an die Hamme. Was für ein Freudentaumel nach den Rennen. Sportler, Trainer und Eltern jubelten gemeinsam und strahlten über alle Gesichter.

 

Nicht nur Schnelligkeit sondern auch Geschicklichkeit ist wichtig

Gleich der erste Vereinsstart brachte Yannik Angeli (2005) den Sieg beim Slalom. Jasper Nussbaum (2005) war ebenfalls schnell unterwegs, verpasste aber leider eine Boje, musste somit eine Streckenkorrektur vornehmen und deshalb mit dem zweitem Platz in seiner Abteilung vorlieb nehmen. Lukas Weber (2003) und Stina Asmann (2004) waren zum ersten Mal im Einer dabei und zeigten im Slalom, dass Sie ihr Boot schon richtig gut beherrschen.

 

Letzter Start vor dem Landesentscheid

Obwohl Benita Razetti (2003) am späten Nachmittag noch Ihren Abendmahlsgottesdienst anlässlich ihrer am Tag folgenden Konfirmation auf dem Terminzettel hatte, ließ sie es sich nicht nehmen mit ihrer Zweierpartnerin Chantal Schröder (2004) wenigstens für das 1000 m Rennen anzureisen. Diese beiden Athletinnen haben in diesem Jahr erneut das Ziel beim Bundeswettbewerb zu starten. Dafür müssen sie sich beim Landesentscheid in Hannover am 10. und 11. Juni sowohl über die Langstrecke von 3000 m mit Wende als auch auf der 1000 m Distanz beweisen.

Chantal und Benita waren gleich am Start von Null auf 100 da und brachten sich damit in Führung, die sie mit jedem Schlag ausbauten und somit mit großem Abstand und einer Zeit von 4:37,3 in Ihrer Abteilung siegten. Von zwölf Booten im gesamten Rennen war lediglich die Konkurrenz vom Wannsee schneller. Schade, mit denen hätten die beiden sich sicherlich gerne mehrfach gemessen.

 

Das letzte Boot vom Rennen davor wurde gleich mit überholt

Thorben Schnibbe (2004) und Lucas Mauermann (2004) glänzten über 1000 m und über 3000 m im 2x und werden jetzt von den Trainerinnen Susanne Steeneck und Svenja Thiel mit einer Teilnahme am Landesentscheid belohnt.

Mit einer Zeit von 4:41,5 über 1000 m ließen die beiden nicht nur ihre Gegner aus der eigenen Abteilung hinter sich sondern überholen noch das letzte Boot vom Start zuvor. Nach dieser hervorragenden gemeinsamen Arbeit durften sie natürlich am Siegersteg anlegen. Danach hieß es erstmal ausruhen und ausgewogen essen, damit neue Energie für das Langstreckenrennen am Abend bereit steht. Mit langen kräftigen Schlägen kämpften sie sich an das zuvor gestartete Boot (es wird versetzt gestartet) heran, überholten dies nach kurzer Zeit und ließen es locker hinter sich. Nach und nach kam ein Vierer aus der Klasse davor in Sicht, Lucas und Thorben konnten auch diesen erreichen und lieferten sich im Ziel ein Kopf an Kopfrennen mit den Sportlern. Das Team vom Doppelzweier durfte sich für eine tolle Zeit von 15:17,1 wieder eine Medaille umhängen. In beiden Wettkämpfen erruderten lediglich die Gegner vom Hannoverschern RC eine bessere Zeit. Am zweiten Regattatag konnten Lucas und Thorben trotz guter Leistungen sowohl im Einer und im Doppelzweier leider nicht mehr siegen.

 

Jasper Nußbaum und Yannik Angeli überzeugten im 1x und gemeinsam im 2x

Stark allein und im Duo. Vollgas gaben Jasper Nußbaum (2005) und Yannik Angeli (2005 Leichtgewicht) über 300 m im Einer und gemeinsam im Doppelzweier über 500 m und konnten somit alle drei Rennen für sich entscheiden. Im Doppelzweier konnte direkt am Start ein Gegner abgehängt werden, das andere Boot war kurz auf einer Höhe, die RV OSCH Sportler konnten sich dann aber einen guten Vorsprung erarbeiten und bis zum Schluss die Führung verteidigen.

Dass Grinsen in ihren Gesichtern hielt sich über das ganze Wochenende und steckte den ein oder anderen an. Yannik konnte damit an seinen Erfolg in Bremen anknüpfen. Nun heißt es, weiterhin konzentriert im Training mitarbeiten um weiterhin der Konkurrenz das Leben sauer zu machen.

 

Newcomer vorne mit dabei

Lukas Weber (2003 Leichtgewicht) und Stina Asmann (2004) kamen letztes Jahr zu uns in den Verein und trainierten diesen Frühling das erste Mal für eine Regattateilnahme. Leider gab es über dies 500 m Distanz kein Leichtgewichtsrennen, so das Lukas gegen einige körperlich überlegenen Gegner starten musste, trotzdem belegte er einen zweiten Platz in seiner Abteilung und konnte in der Gesamtwertung noch acht Mitstarter hinter sich lassen. Was für ein guter Einstieg ins Rennrudern. Stina hatte etwas Schwierigkeiten beim Start, holte dann aber auf, fuhr ihrer Gegnerin davon und durfte am Siegersteg eine Medaille entgegennehmen. Insgesamt war sie Zweitschnellste von sieben Teilnehmerinnen. Da liegt Potential.

Susanne Steeneck