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Fari Cup 2017 – Ein Erlebnis in zwei Akten

9. November 2017 Geschrieben von admin. in Aktuelles, Fitness- und Freizeitrudern, Rudern, Rudern & Sport, Sportangebote

Fari Cup 2017 - Frauen-Vierer auf der Alster
Erster Akt

Die Ruhe nach dem Sturm

Erlebnisse aus dem Herren-Vierer von Heiner Wenk

Geschafft.
Wir waren aufgeregt.
Gemächlich sind wir über die Außenalster und durch den Alsterkanal zum Start gerudert. Wunderbares Spätherbstwetter, angespanntes Schweigen im Boot, unser Vierer stellt etwa ein Promille der Teilnehmer an dieser großen Herbstregatta in Hamburg dar. Eine endlose Reihe von Booten auf dem Weg zum Start, auf den letzten paar Hundert Metern einsortieren in die Startreihenfolge.
Warten.

Dann: Eine Anlegemöglichkeit. Alle wollen doch noch mal austreten: Das ist die Aufregung.
Alle 30 Sekunden fährt ein Boot los.

Es geht los. Dreiviertel, halb, halb, dreiviertel, volle Länge. 10 Dicke. Dann: 24er Schlag. Lang durchziehen. Beinstoß.

Nach den ersten 200 Metern merke ich: Das halte ich nicht durch. Die Atmung ist schnell, das Herz rast.
Und dann kommt er doch, der Rhythmus, der Dauerleitungsmodus. Aerobe Glykolyse. Jetzt läuft es, ausatmen beim Endzug, ruhiges Vorrollen, das Boot läuft gut, die Steuerfrau treibt uns an, zeigt sich aber mit der Leistung einverstanden. Positive Verstärkung nennt man das.

Dann kommen die Trommler, die kennt man schon vom letzten Mal. Wir wissen hier: Bald ist der Alsterkanal zu Ende und wir kommen auf die Außenalster.

Dort sind Wind und Welle, das Boot läuft nicht mehr ganz so harmonisch, aber wir überholen sogar einen anderen Vierer. Wieder: Positive Verstärkung.
Das Ziel kündigt sich an: Lautsprecherdurchsagen, Lärm, Musik.

Ich kann nicht mehr,
aber ich kann doch noch. Die Kraft war gut eingeteilt.

Noch hundert Meter ins Ziel. Dann die Hupe. 18 Minuten und ein paar Zerquetschte.
Ohne Kraft unter der Kennedybrücke durch auf die Binnenalster. Die Wasserfontäne in der Wintersonne: Ein Gedicht. Fotos. Die Bebauung: Prachtvoll. Hapag-Lloyd – da ist auch Bremen drin, in Hamburg.
Wie gut man sich jetzt fühlt: Das ist die Ruhe nach dem Sturm.

Wir sind voller Endorphine, Adrenalin, Serotonin, Dopamin.
Früher waren immer die Endorphine schuld am Wohlbefinden. Heute weiß man: Die gelangen gar nicht bis ins Gehirn. Machen wohl nur periphere Schmerzstillung.

Also: Doch das Serotonin?
Oder der Rhythmus?
Oder neue Synapsen?
Oder Dopamin?

Es ist egal. Dauerleistung macht glücklich. Nicht nur uns:

Ratten und Mäuse laufen gerne. Experimente aus den Neunziger Jahren haben bewiesen, dass Ratten, bei denen man im Käfig das Laufrad blockiert hatte, in Intelligenztests schlechter abschnitten als Tiere, die sich im Laufrad austoben durften.
Sicherlich wissen das auch die Arbeitgeber.
Wenn sich das Hamsterrad jedes Jahr schneller drehen soll, dann ist das aus reiner Fürsorge: Sie möchten, dass es uns einfach besser geht.

Wir rudern zum Steg zurück, ein Bier, Siegerehrung, Boote verladen, nach Bremen zurück in den Alltag, nein: In den Sonntag. Die Ruhe genießen.

 

Zweiter Akt

Rennen mit Debütantinnen

Erlebnisse aus dem Damen-Vierer von Wiebke Gloe-Carstensen

Ein Novembersamstag wie aus dem Bilderbuch: Es ist 10.30 Uhr und an der Straße „An der Alster“ schließen sich die letzten Parklücken des kleinen, abgesperrten Bereichs mit Bootsanhängern. Einen Sattelplatz hatte ich ganz anders in Erinnerung. – Aber dafür sind wir in Hamburg! Im Südosten kämpft sich die Sonne durch den hanseatischen Hochnebel, der über der Binnenalster mit dem Wassernebel der Fontäne verschwimmt. Herrlich, wieder einmal in Hamburg zu sein – meiner alten Wahlheimat. Damals hatte ich noch keine Vorstellung vom Rudern, sondern nahm die Alster eher als regelmäßige Kulisse meiner Trainingsläufe wahr… und ärgerte mich gelegentlich darüber, wenn mir von einem transportierten Ruderboot der Weg abgeschnitten wurde. Heute ist die Perspektive eine andere.

Noch dreieinhalb Stunden bis zum Start. Die Stimmung rund um den RV-OSCH-Anhänger, der durch Familienangehörige und angebotene Snacks aller Art belebt wird, ist locker und herzlich. Routiniert werden die „Hedwig“ und die „Schink“ aufgeriggert, Rennprognosen abgegeben und Strategien innerhalb der Mannschaft durch das Coaching von Brigitte Haase gefestigt. Zusammen mit Christine Duddeck darf ich heute mein Regatta-Debüt hinlegen. Ein gutes Gefühl – gemeinsam mit den erfahrenen Ruderinnen Jenny Furken, Katrin Strehl und Elke Näwig als Steuerfrau! Wir haben hart trainiert, sind aufeinander eingeschworen und strahlend bester Laune. Unsere einzige Sorge ist die Gewissheit, mindestens eine Stunde vor dem Start in Barmbeck im Sammelbecken warten zu müssen – bei frischen 10 Grad und ohne jede Chance, noch einmal Panik-Pipi entsorgen zu können.

Der Herren-Vierer darf eine halbe Stunde vor uns auf die Alster und ist längst außer Sichtweite, als wir unter der Ägide von Elke in See stechen, um zur vorgeschriebenen Zeit den Startbereich zu erreichen. Noch verdecken diverse Lagen wärmender Kleidungsstücke unsere Mannschaftstrikots. Rund vier Kilometer bis zum Start liegen vor uns: Reichlich Zeit, um während des Warmruderns die atemberaubend schöne Kulisse aus Kennedybrücke, Kirchtürmen und der Elbphilharmonie samt urbaner Skyline zu bestaunen. Noch dürfen wir nach rechts und links schauen: Am Ufer lassen wir stattliche Alstervillen hinter uns und schlängeln uns von den breiteren Alster-Arterien hinter der Krugkoppelbrücke bis ins Kapillarsystem Barmbecks Richtung Sammelbecken. Es wird immer enger und die Dichte der Boote nimmt stetig zu. Ich bin heilfroh, in Steuerfrau Elke einen erfahrenen Vollprofi zu wissen, der uns sicher an allen Klippen vorbei steuern wird. Wir rudern ganz achtsam. Schließlich gilt unsere gesamte Muskelkraft dem bevorstehenden Rennen! Das langsame Rudern steigert meine Lust, später absolut alles zu geben, von Minute zu Minute. Der Adrenalin-Spiegel in unseren Adern schaukelt sich hoch. Doch es hilft alles nichts: Die Warterei bis zur erlösenden Start-Aufstellung zieht sich weiter hin.

Dann geht auf einmal alles ganz schnell: Das Startsignal ertönt. Blitzschnell schalten wir in den Startmodus und beschleunigen die „Hedwig“ auf mehr als 26 Schläge pro Minute, um wenig später ganz langsam auf unseren 24er Rennmodus runterzufahren. Unsere lange, synchrone Wasserarbeit und das langsame Vorrollen katapultieren unser Boot vorwärts. Das hinter uns gestartete Gig der Lübecker Frauen rückt außer Sichtweite. Auf einmal taucht neben mir die Gabelung der Außenalster auf. Ich kann es kaum glauben: Zwei Drittel der Strecke liegen bereits hinter uns! Die Mannschaft hat noch Reserven, das spüre ich genau. Auf einmal verwandelt sich das stille Wasser des Nebenarms auf der Außenalster in Kabbelwasser. Der Wind frischt auf und verlangt uns alles ab, was noch in uns steckt: Konzentration beim Blätterhochscheren und Setzen, unbändige Kraft beim Beinstoß und Endzug sowie jede Menge Lungenvolumen.

Plötzlich erreichen wir die Zielgerade: Wir erhöhen noch einmal die Schlagzahl. Unsere Steuerfrau und unser Ehrgeiz mobilisieren die letzten Reserven. Unsere Lungen und Muskeln brennen. Auf einmal höre ich die Stimme des Sprechers am Steg, die im Gebrüll zahlreicher Stimmen untergeht. Das müssen unsere Herren sein, die bereits“ die Ruhe nach dem Sturm“ am Steg genießen und zusammen mit Brigitte samt Begleitstab unserem Finale entgegenfiebern. Wir passieren die gelbe Boje. Die Hupe tönt. Was für ein Rennen! Das Ergebnis: 19:57 und ein respektabler vierter Platz in einer Startgruppe von acht Booten.

Neue Trainingszeiten

22. Oktober 2017 Geschrieben von Youri Steeneck. in Aktuelles, Alte Herren, Fitness- und Freizeitrudern, Jugendabteilung, Rudern, Rudern & Sport, Sportangebote, Trainingszeiten

Ab sofort gelten die nachfolgenden Wintertrainingszeiten (Ruderzeiten, Hallenzeiten, Bootshauszeiten):
rvosch.de/rudern/trainingszeiten/

Bitte beachtet auch das Winterfahrverbot oberhalb von Melchers Hütte zwischen dem 01. November und bis einschließlich 31. März (vgl. Sammelverordnung über Natur- und Landschaftsschutzgebiete im Bereich „Hammeniederung“ und „Teufelsmoor“ – Artikel 1  § 9 Absatz 1 Abschnitt 2)

Herbsttour auf der Hamme

22. Oktober 2017 Geschrieben von admin. in Aktuelles, Fitness- und Freizeitrudern, Rudern, Rudern & Sport

Die Abendsonne stand bereits tief im Westen, als wir die „Jochen Schink“ aufs Wasser ließen. Jede Minute dieses frühherbstlichen, milden Septemberabends war uns zu kostbar, um sie am Steg zu vertrödeln. Deshalb verloren wir an diesem Abend beim Einlegen der Skulls und des hölzernen Schwerts keine Zeit. Die Damen-Mannschaft unseres Doppelvierers für die bevorstehende Hamburg-Regatta stand erwartungsfroh am Steg. Als unsere Trainerin Brigitte das Kommando zum Einsteigen gegeben hatte, ging es los. Jenny, unsere große blonde Schlagfrau, die vor dem Steuerplatz im Heck saß, legte los. Katrin, ich und Christine folgten in Bruchteilen von Sekunden. Wir ruderten unter der Autobrücke hindurch. Das Clubhaus verschwand ebenso aus meinen Augen wie die Erlebnisse dieses chaotischen Dienstags.

Nachdem wir während eines kurzen Halts auf dem Wasser unsere Stemmbrett-Positionen und Dollenhöhen eingestellt hatten, konnte das Training beginnen. Unser Ziel war es, den absoluten Gleichklang aller Schlagabläufe zu finden. Eine schwierige Aufgabe, die jede Mühe wert war! Wir hatten unser Ziel fest im
Blick: Ein gleitender Vortrieb, der nicht durch Ruckelbewegungen oder eine schiefe Wasserlage gestört werden sollte! Daran würde die gesamte Mannschaft auf den folgenden fünfzehn Kilometern arbeiten. Ich hatte längst gelernt, dass Technik und Gleichklang unter einem zu zackigen Losrudern am Anfang der Einheit leiden kann. Unsere Trainerin würde uns deshalb zunächst nur auf halber Rollbahn rudern lassen. „In die Rücklage!“, rief Brigitte vom Steuerplatz. Wir starteten aus der Position des Endzugs mit unseren ins Wasser gesteckten Blättern. Jede einzelne Athletin registrierte dabei ihre persönliche Arbeitshöhe im Boot. Die Konzentration auf den ersten gemeinsamen Start des Abends wurde greifbar. „Und los!“ Mit Druck auf den Innenhebeln hob unsere Schlagfrau die Skulls aus dem Wasser und führte sie in einer fließenden Bewegung nach hinten. Katrin, Christine und ich taten gleichzeitig dasselbe. Die „Schink“ nahm langsam an Fahrt auf. Wir verlängerten den Wasserweg unserer Skulls Stück für Stück über eine dreiviertel Rollbahn bis zur gesamten Rollbahnlänge und feilten unaufhaltsam am Gleichklang unserer Bewegungen. Das Boot wurde schneller und unsere Bewegungen immer harmonischer und fließender.

Die schräg stehende Sonne funkelte auf dem Wasser. Ich musste blinzeln, so sehr trafen ihre goldenen Strahlen meine Augen. Sofort wurden meine Erinnerungen an heiße Sommertage wieder wach, die ich so sehr liebe. Vom Sommer Abschied zu nehmen, ist für mich jedes Mal so schwer, als müsste ich mich viel zu lange Zeit von einem geliebten Menschen trennen. Allein die ersten Zeichen des Herbstes versetzen mir an manchen Tagen einen Stich. Doch an diesem Abend genoss ich einfach das strahlende Licht dieses Sonnenuntergangs auf der Hamme. Ich bin mir sicher, dass es meiner Mannschaft ebenso ging. Schließlich waren wir weit mehr als vier einzelne Frauen in diesem Doppelvierer – wir waren eine Einheit – im absoluten Gleichklang unserer Arme, Beine, Schultern, Köpfe und Hände. Warum sollte das Empfinden in solchen Momenten auch grundverschieden sein, wenn man dieser rudersportlichen Logik folgt?

Das Wasser war so glatt wie ein dunkles Seidentuch. Das Boot schnitt hindurch und hinterließ hinter dem Heck eine geteilte Wasserschneise, die sich später – als wir längst außer Sichtweite sein würden wieder zu einer ruhigen, ganzen Fläche zusammenziehen würde. Auf Steuerbord und Backbord zirkulierten die Abdruckstellen unserer Blätter. An ihnen konnte ich gut die Energie erahnen, die wir im Zusammenspiel unserer Körpermuskulatur produziert hatten und die das Boot mit jedem Ruderschlag nach vorne schnellen ließ. Auf den Durchzug folgte die Gleitphase: Das Wichtigste und Schwerste zugleich ist die hintere Schlagumkehr, durch die unsere Hände nach dem Endzug zügig Richtung Heck zu den Knien geführt werden müssen, bevor wir sanft und im perfekten Gleichklang zum Setzen des nächsten Schlages anrollen dürfen. Keine Pause und kein Kippeln solle die Balance unseres Bootes stören. Alle Konzentration liegt auf dem linearen Gleiten.

Auf Backbord schnatterte eine Ente und setzte zum Wasserstart an. Ihr Schnattern klang verärgert. Wahrscheinlich hatte sie nicht mit der Geschwindigkeit unseres herannahenden Bootes gerechnet. Wir durchfuhren die Fußgängerbrücke hinter „Melchers Hütte“. Dort entdeckte ich am linken Schilfgürtel einen majestätischen Silberreiher, der anscheinend auf der Suche nach einem schmackhaften Abendessen war. Ich verkniff es mir an diesem Tag, die Mannschaft auf das Tier aufmerksam zu machen. Denn ich wusste: Selbst das Drehen meines Kopfes konnte die Harmonie des Bootes stören. Außerdem sollte meine
Trainerin nicht auf die Idee kommen, ich könnte nicht ganz bei der Sache sein. Dabei funktioniert konzentriertes Rudern und gelegentliches Beobachten der Naturschönheit bei mir auch parallel recht gut. Es wechseln Zeiten, in denen ich die Umgebung registriere, mit solchen, in denen ich mich ganz und gar auf das Geschehen im Boot begrenze: Dann nehme ich nichts außer dem Ruderer vor mir wahr – das Aufdrehen und Setzen seiner Blätter, sein Abstoßen vom Stemmbrett sowie den Durchzug und die anschließende runde Bewegung der Hände bei der Schlagumkehr. Manchmal verstreichen Kilometer, auf denen ich dermaßen mit dem Rudern und „Einswerden“ meiner Mannschaft beschäftigt bin, dass ich mich darüber wundere, wenn urplötzlich ein bestimmtes Stromkilometerschild auftaucht.

Jetzt folgte der lange, gerade Streckenabschnitt bis zur Eisenbahnbrücke, über die der Moorexpress manchmal fährt. Dieser Teil der Hamme ist besonders breit: Der ideale Austragungsort unserer ersten Intervallstrecke. Jenny erhöhte die Schlagzahl auf sportliche 22 bis 24 Schläge pro Minute, denen wir bis zum Erreichen der Brücke mit ganzem Einsatz folgten. Das Klackern der Dollen wurde lauter, genau wie das Geräusch der Blades während des Durchziehens. Ab und zu spritzte Wasser auf uns traf mich am Körper oder im Gesicht. Kein Wunder bei unserem Krafteinsatz! Der Lohn dafür war die Beschleunigung. Wir arbeiteten intensiv am Endzug und Einsatz unserer Beinkraft am Stemmbrett. „Gut macht ihr das“, lobte uns Brigitte. Sie ist eine Frau mit reichlich Trainer- und Regatta-Erfahrung. Eine, die auf eigene Lorbeeren aus dem Profisport vergangener Jahrzehnte zurückblicken kann, ohne das jemals heraushängen zu lassen. Eine Ruderexpertin mit wachen Augen für Fehler oder Asynchronizitäten und sehr präzisen Kommandos, denen wir gerne folgen.

Die „Jochen Schink“ glitt weiter in Richtung der Teufelsmoorbrücke. Hier wird der Fluss wieder schmaler und kurviger. Wir reduzierten unseren Krafteinsatz und konzentrierten uns wieder auf die Verbesserung unserer Technik beim Aufdrehen und Setzen der Blätter. Es war absolut windstill und der Schweißfilm auf unserer Haut nahm sichtbar zu. Gut, dass die Plagegeister von Mücken bereits verschwunden sind, dachte ich zufrieden und registrierte auf Steuerbord die Reihe der letzten kleinen Motorboote, die an der Mole des Campingplatzes lagen. Bald würden auch sie verschwunden sein – genau wie das milde Wetter, das uns an diesem Tag noch in kurzer Kleidung rudern ließ. Ich mag die tuckernden, stinkenden Kleinboote nicht besonders. Doch ihre Rückkehr würde im nächsten Jahr die Sommersaison wieder einläuten. Darauf freute ich mich bereits an diesem Abend.

Hinter der engen Durchfahrt der Teufelsmoorbrücke, die wir mit angewinkelten Skulls passierten, folgte ein weiterer gerader Flussabschnitt, der bereits für das Zeitfahren über die Länge von einem Kilometer vorgemerkt war. Wir hörten Brigittes Kommando zum Start. Nach drei Schlägen, die wir zum Anschieben des Bootes nutzten, zog unsere Schlagfrau das Tempo an. Die „Jochen Schink“ schoss vor und überquerte die imaginäre Ziellinie nach vier Minuten und fünfzig Sekunden. Wir befanden uns am Stromkilometer 13,5 – dem Wendepunkt unserer Tour. Im Westen zog ein Schwarm Kraniche über die verträumte Moorlandschaft. Ihr trompetendes Rufen und ihre V-förmige Formation zog uns in ihren Bann. Was für ein Glück, dass wir gerade hier eine Pause machen konnten. Sieben schräg vor uns vorbeifliegende Schwäne sorgten für das nächste Naturschauspiel: Es war das Schwanenpaar mit den fünf grauen Jungschwänen, die wir in diesem Sommer auf der Hamme hatten aufwachsen sehen. Mir fiel spontan das Märchen „Die sieben Schwäne“ von Ludwig Bechstein ein. „Wende über Backbord“, leitete Brigitte die zweite Halbzeit ein und bereitete meinen märchenhaften Gedanken ein Ende. Die Stille nach dem Wenden wurde von allen dankbar zum Trinken und Ausruhen genutzt. Wenige Minuten später nahmen wir wieder Fahrt auf, um einen Kilometer später anzuhalten und unsere Steuerfrau Brigitte gegen Katrin auszutauschen. Der Wechsel der Positionen erfolgte auf dem Wasser. Ein Spaß, den ich gemeinsam mit Christine, die hinter mir im Bug saß, verfolgen durfte: Das Wandern auf der dünnen Bordwand ließ die „Schink“ wanken und schwanken, was mir jedoch nicht das Geringste ausmachte, weil ich quasi auf dem Segelboot groß geworden bin, wo Kippelbewegungen – je nach Seegang – dazu gehörten. Nachdem die drahtige Katrin erfolgreich über Jenny geklettert war und auf dem Steuersitz Platz genommen hatte, machte sich Brigitte auf den Weg zum Ruderplatz drei und setzte sich auf den Rollsitz vor mir.

Noch nie zuvor hatte ich im Mannschaftsboot hinter unserer Trainerin gesessen. Mal gucken, was ich mir bei ihr abschauen kann, dachte ich und wartete entspannt, bis das Kommando zur Weiterfahrt ertönte. Inzwischen war die Sonne ganz untergegangen. Im Westen des Flusses verebbte langsam das letzte magisch schimmernde Licht in Farbschattierungen von Pink bis Dunkelorange, das jetzt Stück für Stück dem grauen Abendhimmel wich. Im Osten war der Mond längst aufgegangen – eine kupfergoldene, dickbäuchige Sichel. Bunte Blätter in Rotund Gelbnuancen schwammen auf dem schwarzgrauen Wasser und verliehen den Bäumen am Ufer schimmernde Glanzlichter. Der Herbst war angekommen.

Auf das Kommando „Alles vorwärts … und los!“, starteten wir die letzte Etappe unseres Rückwegs. Die neue Damenmannschaft mit Brigitte auf Ruderplatz drei legte los. Konzentriert und aufmerksam arbeiteten wir am Gleichklang unserer Bewegungen, der das Mannschaftsrudern so faszinierend macht. Kurz darauf gelang es uns bereits, im perfekten Rhythmus unserer Körper und Bewegungen zu rudern. Ein weiteres gerades Teilstück des Flusses lag vor uns – die Startbahn für unser nächstes Intervall. Unsere Schlagfrau zog unsere Mannschaft auf eine Schlagzahl von 24. Die „Schink“ glitt rasant über das dunkle Wasser. Um uns war es ganz still. Nur das Klackern der Dollen, das Geräusch der Blätter beim Durchzug und unser rhythmisches Atmen waren zu hören. Das Rudern in der Abenddämmerung hatte etwas Magisches, Konzentriertes und Kontemplatives. Nach unserem Spurt drosselten wir das Tempo und ließen unseren Atem wieder zur Ruhe finden. Ich entdeckte die zweite Schwanenfamilie dieses Sommers, die gerade ihren Abendausflug machte. Eine Familie mit drei Jungen. Sie zogen elegant und vollkommen lautlos an den Seerosenblättern vorbei. Ganz so, als würde der Wasserwiderstand ihnen nicht die geringste Mühe abverlangen. Im Gegensatz zu uns – allerdings kann es die Verdrängung eines Schwans auch nicht im Geringsten mit der eines Doppelvierers aufnehmen.

Die Konturen der Uferböschung waren fast schwarz, als wir unseren letzten Sprint absolviert hatten und am Pumpenhaus auf Steuerbord vorbeizogen. Nach fast fünfzehn Kilometern waren unsere Muskeln müde und unsere Konzentration erschöpft. Mein Geist hingegen war hellwach. Ich fühlte mich trotz aller Anstrengungen der letzten rund anderthalb Stunden erfrischt. Als wir am Steg anlegten, war es beinahe vollständig dunkel geworden. Nur in der Kurve, im äußersten Westen, hinter Tietjens Hütte, waren noch letzte orange-rote Fetzen des schwindenden Abendlichts erkennbar. Wahrscheinlich war dies die letzte Abendfahrt bei mildem Herbstwetter, die ich vor meinem Urlaub erleben durfte. Ich freute mich bereits auf die Regatta im November. Meine allererste, seitdem ich vor anderthalb Jahren mit dem Rudern begonnen hatte. Bis dahin würden wir noch viele Male gemeinsam trainieren. Ganz gleich, wie das Herbstwetter auch ausfallen würde: Wir würden durch bleigrauen Nebel, stürmischen Wind und Regen oder ruhiges, von der Sonne beschienenes Fahrwasser rudern. Wir würden weiter an unserer Rudertechnik arbeiten und an Kondition und Schnelligkeit gewinnen. Keine Anstrengung würde zu groß sein, um am vierten November auf der Alster zeigen zu können, was als Mannschaft in uns steckt!

 

Wiebke Gloe-Carstensen

Fitnessgruppe lädt zum Schnupperabend ein

3. Mai 2017 Geschrieben von admin. in Aktuelles, Fitness- und Freizeitrudern, Rudern, Rudern & Sport, Rudertechnik, Sportangebote, Veranstaltungen

Wer sportliches Rudern in der Gemeinschaft mag, seine Kondition im Boot trainieren und zugleich an seiner Rudertechnik arbeiten möchte, ist in der Fitnessgruppe herzlich willkommen: Am Dienstag, den 23. Mai 2017 laden wir um 18 Uhr zu einem Schnupperabend ein und treffen uns pünktlich in Ruderkleidung am Steg.

Unsere „Fitnessgruppe“ verfügt über drei Zeitfenster pro Woche, in denen jeweils zwei Stunden Ruderzeit eingeplant sind. Natürlich sind diese Termine nicht bindend, sondern eine Option, die jeder individuell für sich nutzen kann. Für uns ist sportliches Rudern keine Frage des Alters, sondern der Leidenschaft! – Techniktraining gehört ebenso dazu wie der Spaß am Intervalltraining.

Wir freuen uns darauf, euch als neue Ruderpartner mit ins Boot zu nehmen und sehen uns am 23. Mai! Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Verfasserin: Wiebke Gloe-Carstensen