Beiträge mit Tag ‘Breitensport’

Fari Cup 2018 – Ein Erlebnis in drei Akten

24. November 2018 Geschrieben von admin. in Aktuelles, Fitness- und Freizeitrudern, Rudern, Rudern & Sport, Veranstaltungen

Es ist Samstag, der 3. November. Die winterliche Nacht liegt noch über den
Hammewiesen, als sich die ersten Autos samt Anhänger mit drei Vierer-Gigs in Richtung Hamburg in Bewegung setzen. Es ist kurz vor sieben, stockdunkel und klirrend kalt – weiße Nebel schweben gespenstisch über den Niederungen – doch die Ruderer der Fitnessgruppe sind bereits hellwach und fiebern ihren Rennen beim Fari Cup entgegen.

Erster Akt

Ganz nah am Sieg

“So gut waren wir noch nie“ – das sind die Worte unserer Trainerin auf dem Weg zurück nach Hause. Was für ein Tag liegt hinter uns!

Der RV OSCH ist mit 3 Vierern auf dem 27. Fari Cup in Hamburg vertreten. Allerbestes Herbstwetter, eine spiegelglatte Alster und 3 gutgelaunte und bestens vorbereitete Mannschaften warten auf ihre Rennen. Da sitze ich nun in meinem Regattatrikot und warte auf den Start. 61 Jahre hat mich der
liebe Gott werden lassen, und ich habe dieses flaue „vor dem Wettkampfgefühl“ noch immer, wie damals als Schülerruderer auf der Maschseeregatta. Gemächlich sind wir die Alster hinaufgefahren, haben uns eingereiht mit unserer Startnummer 64, ich habe Kameraden vom RC Normannia aus Braunschweig und vom Ersten Kieler Ruderclub begrüßen können, ein Boot aus Bremen und eines aus Lübeck ist gar als Gegner in unserem Rennen. Elke, unsere Steuerfrau und Schlagmann Lars sind alte Hasen, Rainer und Torsten sind zum ersten Mal dabei, entsprechend aufgeregt. „Können wir noch mal anlegen?“ Elke: „Auf keinen Fall! Ausziehen jetzt!“

Fliegender Start.
Wir kommen gut weg.
Konstanter Abstand zum Boot hinter uns. Elke steuert professionell. Kein Fehler.
Ich merke nach dem ersten Kilometer sehr meine Sauerstoffschuld, aber das gibt sich wieder. Lars rudert einen hervorragenden Schlag.
Dann die letzte Brücke vor der Außenalster: Brigitte steht am Geländer und ruft uns zu: „Groß bleiben und gleich habt ihr sie!“
Und tatsächlich liegen wir mit dem Lübecker Boot schon auf gleicher Höhe. Sehr geschickt steuert Elke die gelbe Boje an und die Lübecker müssen ausweichen, wir haben sie geknackt.
Dann die lange Gerade bis ins Ziel.
Der Weg ist weit, aber wir halten den Schlag und das Tempo.
Am Ende sind wir Zweiter, hinter dem Bremer Boot, aber vor Lübeck und Hamburg, und die Sieger waren gerade mal 10 Sekunden schneller als wir.
Mit unserem neuen Boot werden wir das im nächsten Jahr auch noch schaffen! Wir werden daran arbeiten.

„Danke“ an die Steuerfrau, die Trainerin, die Mannschaft, und an die Fari Cup-Organisateure.

Heiner Wenk aus der „Schink“

Zweiter Akt

Pensionärsvierer mit Kraft und Spaß dabei

Unser Dank gilt den Organisatoren des Fari Cup, alles bestens organisiert, bestes Wetter bestellt, kein Streß , keine Hektik……, das übertrug sich auch auf uns, die wir hier schon am Start waren und in einer neuen Besetzung unser Können beweisen wollten.

Wir, das sind: Matthias, unser Steuermann, Schlagmann Enno, der uns die letzten Wochen mit Brigitte zur Mannschaft formte, der unsere gemeinsamen Termine koordinierte und uns wie Brigitte motivierte. Auf 3 Werner, der vom „Einerfahrer“ zum Mannschaftsspieler aufstieg. Auf 2 Erhard, der mit Ruhe und Gelassenheit auch für Druck im Boot sorgte. Und auf 1 Jörg, der sich nach einer Regattapause im letzten Jahr wieder darauf freute dabei zu sein.
Nachdem wir alle gemeinsam unsere Boote startklar gemacht hatten, ging es zum Steg. Ablegen – und mit unserer „Kiebitz“ glitten wir entlang der noblen Bootshäuser auf der Außenalster hinein in die Kanäle Hamburgs. Matthias führte uns ruhig und bestimmt an die Startposition – mal mit „halber Kraft“, mal mit kurzem Anzug „auf Dreiviertelkraft“, so dass wir unseren Rhythmus einstimmen konnten.

Nachdem wir unsere warme Kleidung abgelegt hatten, und unsere RV OSCH Trikots bei schönstem Sonnenschein zur vollen Geltung kamen, ging es langsam auf die Startlinie zu – die Ansage erfolgte und mit einem fliegenden Start ging es in das Rennen. Die ersten 10/20 harten Schläge gaben der „Kiebitz“ schon auf Höhe der Startlinie den Schub, den wir dann in einen guten Rhythmus umsetzen konnten.
„Die Beine, die Länge, die Ruhe auf der Rolle , klares Setzen und Schub“ so ging es in meinem Kopf – Automation – alles jetzt auf den Punkt bringen – Matthias bringt uns auf den ersten 1000 Metern gut auf die Strecke, wir geben uns hinein und mit einer Mannschaft die es wissen will, ziehen wir mit Freude an unserer Trainerin Brigitte vorbei in den ersten Spurt, der uns noch näher an das vor uns gestartete Boot führt. Noch eine Brücke, dann die Außenalster, und wir schieben uns an das Boot heran. Wir hören die andere Mannschaft, aber unser Schlag, unser Druck geht nochmals höher, die Länge bleibt – wir sind auf ihrer Höhe und ziehen jetzt vorbei – keine Blicke zur Seite, Konzentration – Matthias will mit uns den nächsten Vierer knacken. Wir hören die Rufe vom Landungssteg, wir setzen an und sind auf den letzten 1000 Metern, „Wir schaffen das!!!!“…., geschafft , jetzt noch mal alles geben –„Ihr gebt alles…“Matthias hat uns voll im Griff, wir hören die Ansagen vom nahenden Ruderclub – die Schlagzahl geht nochmal hoch – die Länge bleibt – mehr Druck geht nicht mehr als 27? oder? – Wir durchfahren
das Ziel mit allem was geht, geschafft –
Alles pocht, jetzt weiter gut durchatmen, ausrudern – genießen und eine Abschlussrunde auf der Binnenalster, jetzt um die große Fontäne ein Blick auf „Hamburgs gute Stube“ mit Regenbogen – Erhard zückt die Filmkamera – noch ein Bild – dann zum Steg. Wir sind Gruppenzweiter und zufrieden mit unserer Leistung, mehr als nur dabei zu sein! Hamburg wir kommen wieder, 2019 Fari Cup

Erlebnisse von Jörg Fanelli aus der „Kiebitz“

Dritter Akt

Frauenpower bis zuletzt

Mir ist kalt, als ich gegen 9 Uhr mit den anderen den Hänger ablade. Fünf Grad Celsius machen wenig Mut, wenn man die nächsten fünf Stunden vor dem Start draußen verbringen und sich obendrein auf eine lange, bewegungslose Wartezeit in der Schlange vor dem Start der Einzelzeitrennen gefasst machen muss. Zum Glück strahlt die Sonne bereits vom blitzeblauen Himmel. Das macht Mut. Ich sehe trotzdem aus wie ein Michelin-Männchen in meinen Kleidungsschichten, doch dieser Look erscheint mir für die nächsten Stunden arterhaltend – genau wie den meisten der rund tausend Ruderer, die an diesem Tag die Alster in ihren Booten erobern wollen. Das bunte, kameradschaftliche Treiben und der herrliche Sonnenschein verkürzen die Wartezeit enorm: Überall werden Boote über den Weg an der Alster getragen, von Mannschaften in schneidigen Teamoutfits. Stimmengewirr, Gelächter, Lautsprecherdurchsagen vom Steg am Clubhaus des Gastgebers. Als letztes Boot unserer Entourage starten wir erst kurz vor zwei. Gegen 12.30 Uhr gibt
unsere Steuerfrau Iris endlich das Signal. Dann darf die „Hedwig“ auf die Alster und vor uns liegen ein paar Kilometer bis zum Start- und Sammelpunkt im Ortsteil Barmbek. Die Stimmung ist super: Schlagfrau Jenny, Christa, Christine und ich lassen unter der Ägide von Iris die herrschaftlichen Alstervillen an uns vorbei ziehen. Die Sonne glitzert auf dem Wasser und halb Hamburg ist draußen auf den Beinen.
Auf dem Weg zum Sammelpunkt lesen wir die Startnummern der anderen Boote und nehmen schon einmal unsere Konkurrentinnen ins Visier. Wir haben ein starkes Feld vor uns – unter anderem eine Renngemeinschaft aus ehemaligen Leistungssportlerinnen. Einschüchtern lassen wir uns davon nicht. Jede von uns wird alles geben an diesem Tag.
Plötzlich stehen wir kurz vor dem Start und verstauen die letzten wärmenden Schichten unter den Rollsitzen. Der Wind ist kalt, doch das registriere ich kaum noch. Fliegender Start – Jenny zieht auf 28 Schläge hoch. Die Hedwig wird nach vorn katapultiert. Nach ungefähr 30 Schlägen pendeln wir uns auf unseren Rennschlag von 25 ein. Es läuft super! Wenige hundert Meter, bevor wir auf die Alster fahren, höre ich eine laute
Stimme – ich kann es kaum glauben, sie ruft unsere Namen. Wir werden angefeuert – es ist Brigitte. Wow! – Wir hauen rein und erreichen die Alster. Iris lässt nicht locker und heizt uns mit ständigen Zurufen an: „Ihr kommt immer näher an das nächste Boot ran. Zieht durch!“ Wir überholen eine Alsterbarkasse – die war aber nicht gemeint. Die lange Gerade bis zum Ziel scheint kein Ende zu nehmen. Jenny fightet vor mir und ich gebe alles, um dran zu bleiben. „Noch zweihundert Meter“, schreit Iris. Dann höre ich den Kommentator am Steg. Der Endspurt verlangt uns das Letzte ab, was noch in unseren Muskeln steckt. Gut, dass wir jetzt zusätzlich vom Ufer aus angefeuert werden. Das müssen unsere Männer sein, die ihre Rennen längst absolviert haben. Dann tönt die Hupe. Geschafft!
Unser Puls rast, aber wir jubeln innerlich. Gelächter, der Atem kommt zurück für erste Gesprächsfetzen. Was für ein Rennen! Wir fahren unter der Kennedybrücke hindurch und umrunden die große Fontäne auf der Binnenalster. Ein Regenbogen wird im Wassernebel sichtbar. Ich spüre das Glück jeder einzelnen Kameradin im Boot. Das es am Ende nur für den vierten Platz in unserer Wertung gereicht hat, schmälert das Erlebnis kein Stück. 4,2 Kilometer in 19.43 Minuten, immerhin 14 Sekunden schneller als im letzten Jahr. Da ist noch Luft nach oben. 2019 bin ich wieder dabei!

Ein ganz besonderer Dank gilt an diesem Tag Elke und Matthias, die sich kurzfristig als Steuerleute für die Männerboote bereit erklärt hatten. Außerdem danken wir Lars, der unsere Boote samt Hänger versiert zum Sattelplatz gebracht hat und sich nicht von dem dort herrschenden Chaos aus der Ruhe bringen ließ! Ebenso danken wir unserer Ersten Vorsitzenden Monika, die ihren Samstag als Kinderbetreuerin von Insa am Rande des
Geschehens verbracht hat und uns allen spürbar die Daumen gedrückt hat. Ein riesengroßes Dankeschön hat sich unsere Trainerin Brigitte verdient, die uns in den letzten Monaten auf das Rennen vorbereitet und diesen Tag super organisiert hat.

Wiebke Gloe-Carstensen aus der „Hedwig“

Fari Cup 2017 – Ein Erlebnis in zwei Akten

9. November 2017 Geschrieben von admin. in Aktuelles, Fitness- und Freizeitrudern, Rudern, Rudern & Sport, Sportangebote

Fari Cup 2017 - Frauen-Vierer auf der Alster
Erster Akt

Die Ruhe nach dem Sturm

Erlebnisse aus dem Herren-Vierer von Heiner Wenk

Geschafft.
Wir waren aufgeregt.
Gemächlich sind wir über die Außenalster und durch den Alsterkanal zum Start gerudert. Wunderbares Spätherbstwetter, angespanntes Schweigen im Boot, unser Vierer stellt etwa ein Promille der Teilnehmer an dieser großen Herbstregatta in Hamburg dar. Eine endlose Reihe von Booten auf dem Weg zum Start, auf den letzten paar Hundert Metern einsortieren in die Startreihenfolge.
Warten.

Dann: Eine Anlegemöglichkeit. Alle wollen doch noch mal austreten: Das ist die Aufregung.
Alle 30 Sekunden fährt ein Boot los.

Es geht los. Dreiviertel, halb, halb, dreiviertel, volle Länge. 10 Dicke. Dann: 24er Schlag. Lang durchziehen. Beinstoß.

Nach den ersten 200 Metern merke ich: Das halte ich nicht durch. Die Atmung ist schnell, das Herz rast.
Und dann kommt er doch, der Rhythmus, der Dauerleitungsmodus. Aerobe Glykolyse. Jetzt läuft es, ausatmen beim Endzug, ruhiges Vorrollen, das Boot läuft gut, die Steuerfrau treibt uns an, zeigt sich aber mit der Leistung einverstanden. Positive Verstärkung nennt man das.

Dann kommen die Trommler, die kennt man schon vom letzten Mal. Wir wissen hier: Bald ist der Alsterkanal zu Ende und wir kommen auf die Außenalster.

Dort sind Wind und Welle, das Boot läuft nicht mehr ganz so harmonisch, aber wir überholen sogar einen anderen Vierer. Wieder: Positive Verstärkung.
Das Ziel kündigt sich an: Lautsprecherdurchsagen, Lärm, Musik.

Ich kann nicht mehr,
aber ich kann doch noch. Die Kraft war gut eingeteilt.

Noch hundert Meter ins Ziel. Dann die Hupe. 18 Minuten und ein paar Zerquetschte.
Ohne Kraft unter der Kennedybrücke durch auf die Binnenalster. Die Wasserfontäne in der Wintersonne: Ein Gedicht. Fotos. Die Bebauung: Prachtvoll. Hapag-Lloyd – da ist auch Bremen drin, in Hamburg.
Wie gut man sich jetzt fühlt: Das ist die Ruhe nach dem Sturm.

Wir sind voller Endorphine, Adrenalin, Serotonin, Dopamin.
Früher waren immer die Endorphine schuld am Wohlbefinden. Heute weiß man: Die gelangen gar nicht bis ins Gehirn. Machen wohl nur periphere Schmerzstillung.

Also: Doch das Serotonin?
Oder der Rhythmus?
Oder neue Synapsen?
Oder Dopamin?

Es ist egal. Dauerleistung macht glücklich. Nicht nur uns:

Ratten und Mäuse laufen gerne. Experimente aus den Neunziger Jahren haben bewiesen, dass Ratten, bei denen man im Käfig das Laufrad blockiert hatte, in Intelligenztests schlechter abschnitten als Tiere, die sich im Laufrad austoben durften.
Sicherlich wissen das auch die Arbeitgeber.
Wenn sich das Hamsterrad jedes Jahr schneller drehen soll, dann ist das aus reiner Fürsorge: Sie möchten, dass es uns einfach besser geht.

Wir rudern zum Steg zurück, ein Bier, Siegerehrung, Boote verladen, nach Bremen zurück in den Alltag, nein: In den Sonntag. Die Ruhe genießen.

 

Zweiter Akt

Rennen mit Debütantinnen

Erlebnisse aus dem Damen-Vierer von Wiebke Gloe-Carstensen

Ein Novembersamstag wie aus dem Bilderbuch: Es ist 10.30 Uhr und an der Straße „An der Alster“ schließen sich die letzten Parklücken des kleinen, abgesperrten Bereichs mit Bootsanhängern. Einen Sattelplatz hatte ich ganz anders in Erinnerung. – Aber dafür sind wir in Hamburg! Im Südosten kämpft sich die Sonne durch den hanseatischen Hochnebel, der über der Binnenalster mit dem Wassernebel der Fontäne verschwimmt. Herrlich, wieder einmal in Hamburg zu sein – meiner alten Wahlheimat. Damals hatte ich noch keine Vorstellung vom Rudern, sondern nahm die Alster eher als regelmäßige Kulisse meiner Trainingsläufe wahr… und ärgerte mich gelegentlich darüber, wenn mir von einem transportierten Ruderboot der Weg abgeschnitten wurde. Heute ist die Perspektive eine andere.

Noch dreieinhalb Stunden bis zum Start. Die Stimmung rund um den RV-OSCH-Anhänger, der durch Familienangehörige und angebotene Snacks aller Art belebt wird, ist locker und herzlich. Routiniert werden die „Hedwig“ und die „Schink“ aufgeriggert, Rennprognosen abgegeben und Strategien innerhalb der Mannschaft durch das Coaching von Brigitte Haase gefestigt. Zusammen mit Christine Duddeck darf ich heute mein Regatta-Debüt hinlegen. Ein gutes Gefühl – gemeinsam mit den erfahrenen Ruderinnen Jenny Furken, Katrin Strehl und Elke Näwig als Steuerfrau! Wir haben hart trainiert, sind aufeinander eingeschworen und strahlend bester Laune. Unsere einzige Sorge ist die Gewissheit, mindestens eine Stunde vor dem Start in Barmbeck im Sammelbecken warten zu müssen – bei frischen 10 Grad und ohne jede Chance, noch einmal Panik-Pipi entsorgen zu können.

Der Herren-Vierer darf eine halbe Stunde vor uns auf die Alster und ist längst außer Sichtweite, als wir unter der Ägide von Elke in See stechen, um zur vorgeschriebenen Zeit den Startbereich zu erreichen. Noch verdecken diverse Lagen wärmender Kleidungsstücke unsere Mannschaftstrikots. Rund vier Kilometer bis zum Start liegen vor uns: Reichlich Zeit, um während des Warmruderns die atemberaubend schöne Kulisse aus Kennedybrücke, Kirchtürmen und der Elbphilharmonie samt urbaner Skyline zu bestaunen. Noch dürfen wir nach rechts und links schauen: Am Ufer lassen wir stattliche Alstervillen hinter uns und schlängeln uns von den breiteren Alster-Arterien hinter der Krugkoppelbrücke bis ins Kapillarsystem Barmbecks Richtung Sammelbecken. Es wird immer enger und die Dichte der Boote nimmt stetig zu. Ich bin heilfroh, in Steuerfrau Elke einen erfahrenen Vollprofi zu wissen, der uns sicher an allen Klippen vorbei steuern wird. Wir rudern ganz achtsam. Schließlich gilt unsere gesamte Muskelkraft dem bevorstehenden Rennen! Das langsame Rudern steigert meine Lust, später absolut alles zu geben, von Minute zu Minute. Der Adrenalin-Spiegel in unseren Adern schaukelt sich hoch. Doch es hilft alles nichts: Die Warterei bis zur erlösenden Start-Aufstellung zieht sich weiter hin.

Dann geht auf einmal alles ganz schnell: Das Startsignal ertönt. Blitzschnell schalten wir in den Startmodus und beschleunigen die „Hedwig“ auf mehr als 26 Schläge pro Minute, um wenig später ganz langsam auf unseren 24er Rennmodus runterzufahren. Unsere lange, synchrone Wasserarbeit und das langsame Vorrollen katapultieren unser Boot vorwärts. Das hinter uns gestartete Gig der Lübecker Frauen rückt außer Sichtweite. Auf einmal taucht neben mir die Gabelung der Außenalster auf. Ich kann es kaum glauben: Zwei Drittel der Strecke liegen bereits hinter uns! Die Mannschaft hat noch Reserven, das spüre ich genau. Auf einmal verwandelt sich das stille Wasser des Nebenarms auf der Außenalster in Kabbelwasser. Der Wind frischt auf und verlangt uns alles ab, was noch in uns steckt: Konzentration beim Blätterhochscheren und Setzen, unbändige Kraft beim Beinstoß und Endzug sowie jede Menge Lungenvolumen.

Plötzlich erreichen wir die Zielgerade: Wir erhöhen noch einmal die Schlagzahl. Unsere Steuerfrau und unser Ehrgeiz mobilisieren die letzten Reserven. Unsere Lungen und Muskeln brennen. Auf einmal höre ich die Stimme des Sprechers am Steg, die im Gebrüll zahlreicher Stimmen untergeht. Das müssen unsere Herren sein, die bereits“ die Ruhe nach dem Sturm“ am Steg genießen und zusammen mit Brigitte samt Begleitstab unserem Finale entgegenfiebern. Wir passieren die gelbe Boje. Die Hupe tönt. Was für ein Rennen! Das Ergebnis: 19:57 und ein respektabler vierter Platz in einer Startgruppe von acht Booten.

Neue Trainingszeiten

22. Oktober 2017 Geschrieben von Youri Steeneck. in Aktuelles, Alte Herren, Fitness- und Freizeitrudern, Jugendabteilung, Rudern, Rudern & Sport, Sportangebote, Trainingszeiten

Ab sofort gelten die nachfolgenden Wintertrainingszeiten (Ruderzeiten, Hallenzeiten, Bootshauszeiten):
rvosch.de/rudern/trainingszeiten/

Bitte beachtet auch das Winterfahrverbot oberhalb von Melchers Hütte zwischen dem 01. November und bis einschließlich 31. März (vgl. Sammelverordnung über Natur- und Landschaftsschutzgebiete im Bereich „Hammeniederung“ und „Teufelsmoor“ – Artikel 1  § 9 Absatz 1 Abschnitt 2)

Herbsttour auf der Hamme

22. Oktober 2017 Geschrieben von admin. in Aktuelles, Fitness- und Freizeitrudern, Rudern, Rudern & Sport

Die Abendsonne stand bereits tief im Westen, als wir die „Jochen Schink“ aufs Wasser ließen. Jede Minute dieses frühherbstlichen, milden Septemberabends war uns zu kostbar, um sie am Steg zu vertrödeln. Deshalb verloren wir an diesem Abend beim Einlegen der Skulls und des hölzernen Schwerts keine Zeit. Die Damen-Mannschaft unseres Doppelvierers für die bevorstehende Hamburg-Regatta stand erwartungsfroh am Steg. Als unsere Trainerin Brigitte das Kommando zum Einsteigen gegeben hatte, ging es los. Jenny, unsere große blonde Schlagfrau, die vor dem Steuerplatz im Heck saß, legte los. Katrin, ich und Christine folgten in Bruchteilen von Sekunden. Wir ruderten unter der Autobrücke hindurch. Das Clubhaus verschwand ebenso aus meinen Augen wie die Erlebnisse dieses chaotischen Dienstags.

Nachdem wir während eines kurzen Halts auf dem Wasser unsere Stemmbrett-Positionen und Dollenhöhen eingestellt hatten, konnte das Training beginnen. Unser Ziel war es, den absoluten Gleichklang aller Schlagabläufe zu finden. Eine schwierige Aufgabe, die jede Mühe wert war! Wir hatten unser Ziel fest im
Blick: Ein gleitender Vortrieb, der nicht durch Ruckelbewegungen oder eine schiefe Wasserlage gestört werden sollte! Daran würde die gesamte Mannschaft auf den folgenden fünfzehn Kilometern arbeiten. Ich hatte längst gelernt, dass Technik und Gleichklang unter einem zu zackigen Losrudern am Anfang der Einheit leiden kann. Unsere Trainerin würde uns deshalb zunächst nur auf halber Rollbahn rudern lassen. „In die Rücklage!“, rief Brigitte vom Steuerplatz. Wir starteten aus der Position des Endzugs mit unseren ins Wasser gesteckten Blättern. Jede einzelne Athletin registrierte dabei ihre persönliche Arbeitshöhe im Boot. Die Konzentration auf den ersten gemeinsamen Start des Abends wurde greifbar. „Und los!“ Mit Druck auf den Innenhebeln hob unsere Schlagfrau die Skulls aus dem Wasser und führte sie in einer fließenden Bewegung nach hinten. Katrin, Christine und ich taten gleichzeitig dasselbe. Die „Schink“ nahm langsam an Fahrt auf. Wir verlängerten den Wasserweg unserer Skulls Stück für Stück über eine dreiviertel Rollbahn bis zur gesamten Rollbahnlänge und feilten unaufhaltsam am Gleichklang unserer Bewegungen. Das Boot wurde schneller und unsere Bewegungen immer harmonischer und fließender.

Die schräg stehende Sonne funkelte auf dem Wasser. Ich musste blinzeln, so sehr trafen ihre goldenen Strahlen meine Augen. Sofort wurden meine Erinnerungen an heiße Sommertage wieder wach, die ich so sehr liebe. Vom Sommer Abschied zu nehmen, ist für mich jedes Mal so schwer, als müsste ich mich viel zu lange Zeit von einem geliebten Menschen trennen. Allein die ersten Zeichen des Herbstes versetzen mir an manchen Tagen einen Stich. Doch an diesem Abend genoss ich einfach das strahlende Licht dieses Sonnenuntergangs auf der Hamme. Ich bin mir sicher, dass es meiner Mannschaft ebenso ging. Schließlich waren wir weit mehr als vier einzelne Frauen in diesem Doppelvierer – wir waren eine Einheit – im absoluten Gleichklang unserer Arme, Beine, Schultern, Köpfe und Hände. Warum sollte das Empfinden in solchen Momenten auch grundverschieden sein, wenn man dieser rudersportlichen Logik folgt?

Das Wasser war so glatt wie ein dunkles Seidentuch. Das Boot schnitt hindurch und hinterließ hinter dem Heck eine geteilte Wasserschneise, die sich später – als wir längst außer Sichtweite sein würden wieder zu einer ruhigen, ganzen Fläche zusammenziehen würde. Auf Steuerbord und Backbord zirkulierten die Abdruckstellen unserer Blätter. An ihnen konnte ich gut die Energie erahnen, die wir im Zusammenspiel unserer Körpermuskulatur produziert hatten und die das Boot mit jedem Ruderschlag nach vorne schnellen ließ. Auf den Durchzug folgte die Gleitphase: Das Wichtigste und Schwerste zugleich ist die hintere Schlagumkehr, durch die unsere Hände nach dem Endzug zügig Richtung Heck zu den Knien geführt werden müssen, bevor wir sanft und im perfekten Gleichklang zum Setzen des nächsten Schlages anrollen dürfen. Keine Pause und kein Kippeln solle die Balance unseres Bootes stören. Alle Konzentration liegt auf dem linearen Gleiten.

Auf Backbord schnatterte eine Ente und setzte zum Wasserstart an. Ihr Schnattern klang verärgert. Wahrscheinlich hatte sie nicht mit der Geschwindigkeit unseres herannahenden Bootes gerechnet. Wir durchfuhren die Fußgängerbrücke hinter „Melchers Hütte“. Dort entdeckte ich am linken Schilfgürtel einen majestätischen Silberreiher, der anscheinend auf der Suche nach einem schmackhaften Abendessen war. Ich verkniff es mir an diesem Tag, die Mannschaft auf das Tier aufmerksam zu machen. Denn ich wusste: Selbst das Drehen meines Kopfes konnte die Harmonie des Bootes stören. Außerdem sollte meine
Trainerin nicht auf die Idee kommen, ich könnte nicht ganz bei der Sache sein. Dabei funktioniert konzentriertes Rudern und gelegentliches Beobachten der Naturschönheit bei mir auch parallel recht gut. Es wechseln Zeiten, in denen ich die Umgebung registriere, mit solchen, in denen ich mich ganz und gar auf das Geschehen im Boot begrenze: Dann nehme ich nichts außer dem Ruderer vor mir wahr – das Aufdrehen und Setzen seiner Blätter, sein Abstoßen vom Stemmbrett sowie den Durchzug und die anschließende runde Bewegung der Hände bei der Schlagumkehr. Manchmal verstreichen Kilometer, auf denen ich dermaßen mit dem Rudern und „Einswerden“ meiner Mannschaft beschäftigt bin, dass ich mich darüber wundere, wenn urplötzlich ein bestimmtes Stromkilometerschild auftaucht.

Jetzt folgte der lange, gerade Streckenabschnitt bis zur Eisenbahnbrücke, über die der Moorexpress manchmal fährt. Dieser Teil der Hamme ist besonders breit: Der ideale Austragungsort unserer ersten Intervallstrecke. Jenny erhöhte die Schlagzahl auf sportliche 22 bis 24 Schläge pro Minute, denen wir bis zum Erreichen der Brücke mit ganzem Einsatz folgten. Das Klackern der Dollen wurde lauter, genau wie das Geräusch der Blades während des Durchziehens. Ab und zu spritzte Wasser auf uns traf mich am Körper oder im Gesicht. Kein Wunder bei unserem Krafteinsatz! Der Lohn dafür war die Beschleunigung. Wir arbeiteten intensiv am Endzug und Einsatz unserer Beinkraft am Stemmbrett. „Gut macht ihr das“, lobte uns Brigitte. Sie ist eine Frau mit reichlich Trainer- und Regatta-Erfahrung. Eine, die auf eigene Lorbeeren aus dem Profisport vergangener Jahrzehnte zurückblicken kann, ohne das jemals heraushängen zu lassen. Eine Ruderexpertin mit wachen Augen für Fehler oder Asynchronizitäten und sehr präzisen Kommandos, denen wir gerne folgen.

Die „Jochen Schink“ glitt weiter in Richtung der Teufelsmoorbrücke. Hier wird der Fluss wieder schmaler und kurviger. Wir reduzierten unseren Krafteinsatz und konzentrierten uns wieder auf die Verbesserung unserer Technik beim Aufdrehen und Setzen der Blätter. Es war absolut windstill und der Schweißfilm auf unserer Haut nahm sichtbar zu. Gut, dass die Plagegeister von Mücken bereits verschwunden sind, dachte ich zufrieden und registrierte auf Steuerbord die Reihe der letzten kleinen Motorboote, die an der Mole des Campingplatzes lagen. Bald würden auch sie verschwunden sein – genau wie das milde Wetter, das uns an diesem Tag noch in kurzer Kleidung rudern ließ. Ich mag die tuckernden, stinkenden Kleinboote nicht besonders. Doch ihre Rückkehr würde im nächsten Jahr die Sommersaison wieder einläuten. Darauf freute ich mich bereits an diesem Abend.

Hinter der engen Durchfahrt der Teufelsmoorbrücke, die wir mit angewinkelten Skulls passierten, folgte ein weiterer gerader Flussabschnitt, der bereits für das Zeitfahren über die Länge von einem Kilometer vorgemerkt war. Wir hörten Brigittes Kommando zum Start. Nach drei Schlägen, die wir zum Anschieben des Bootes nutzten, zog unsere Schlagfrau das Tempo an. Die „Jochen Schink“ schoss vor und überquerte die imaginäre Ziellinie nach vier Minuten und fünfzig Sekunden. Wir befanden uns am Stromkilometer 13,5 – dem Wendepunkt unserer Tour. Im Westen zog ein Schwarm Kraniche über die verträumte Moorlandschaft. Ihr trompetendes Rufen und ihre V-förmige Formation zog uns in ihren Bann. Was für ein Glück, dass wir gerade hier eine Pause machen konnten. Sieben schräg vor uns vorbeifliegende Schwäne sorgten für das nächste Naturschauspiel: Es war das Schwanenpaar mit den fünf grauen Jungschwänen, die wir in diesem Sommer auf der Hamme hatten aufwachsen sehen. Mir fiel spontan das Märchen „Die sieben Schwäne“ von Ludwig Bechstein ein. „Wende über Backbord“, leitete Brigitte die zweite Halbzeit ein und bereitete meinen märchenhaften Gedanken ein Ende. Die Stille nach dem Wenden wurde von allen dankbar zum Trinken und Ausruhen genutzt. Wenige Minuten später nahmen wir wieder Fahrt auf, um einen Kilometer später anzuhalten und unsere Steuerfrau Brigitte gegen Katrin auszutauschen. Der Wechsel der Positionen erfolgte auf dem Wasser. Ein Spaß, den ich gemeinsam mit Christine, die hinter mir im Bug saß, verfolgen durfte: Das Wandern auf der dünnen Bordwand ließ die „Schink“ wanken und schwanken, was mir jedoch nicht das Geringste ausmachte, weil ich quasi auf dem Segelboot groß geworden bin, wo Kippelbewegungen – je nach Seegang – dazu gehörten. Nachdem die drahtige Katrin erfolgreich über Jenny geklettert war und auf dem Steuersitz Platz genommen hatte, machte sich Brigitte auf den Weg zum Ruderplatz drei und setzte sich auf den Rollsitz vor mir.

Noch nie zuvor hatte ich im Mannschaftsboot hinter unserer Trainerin gesessen. Mal gucken, was ich mir bei ihr abschauen kann, dachte ich und wartete entspannt, bis das Kommando zur Weiterfahrt ertönte. Inzwischen war die Sonne ganz untergegangen. Im Westen des Flusses verebbte langsam das letzte magisch schimmernde Licht in Farbschattierungen von Pink bis Dunkelorange, das jetzt Stück für Stück dem grauen Abendhimmel wich. Im Osten war der Mond längst aufgegangen – eine kupfergoldene, dickbäuchige Sichel. Bunte Blätter in Rotund Gelbnuancen schwammen auf dem schwarzgrauen Wasser und verliehen den Bäumen am Ufer schimmernde Glanzlichter. Der Herbst war angekommen.

Auf das Kommando „Alles vorwärts … und los!“, starteten wir die letzte Etappe unseres Rückwegs. Die neue Damenmannschaft mit Brigitte auf Ruderplatz drei legte los. Konzentriert und aufmerksam arbeiteten wir am Gleichklang unserer Bewegungen, der das Mannschaftsrudern so faszinierend macht. Kurz darauf gelang es uns bereits, im perfekten Rhythmus unserer Körper und Bewegungen zu rudern. Ein weiteres gerades Teilstück des Flusses lag vor uns – die Startbahn für unser nächstes Intervall. Unsere Schlagfrau zog unsere Mannschaft auf eine Schlagzahl von 24. Die „Schink“ glitt rasant über das dunkle Wasser. Um uns war es ganz still. Nur das Klackern der Dollen, das Geräusch der Blätter beim Durchzug und unser rhythmisches Atmen waren zu hören. Das Rudern in der Abenddämmerung hatte etwas Magisches, Konzentriertes und Kontemplatives. Nach unserem Spurt drosselten wir das Tempo und ließen unseren Atem wieder zur Ruhe finden. Ich entdeckte die zweite Schwanenfamilie dieses Sommers, die gerade ihren Abendausflug machte. Eine Familie mit drei Jungen. Sie zogen elegant und vollkommen lautlos an den Seerosenblättern vorbei. Ganz so, als würde der Wasserwiderstand ihnen nicht die geringste Mühe abverlangen. Im Gegensatz zu uns – allerdings kann es die Verdrängung eines Schwans auch nicht im Geringsten mit der eines Doppelvierers aufnehmen.

Die Konturen der Uferböschung waren fast schwarz, als wir unseren letzten Sprint absolviert hatten und am Pumpenhaus auf Steuerbord vorbeizogen. Nach fast fünfzehn Kilometern waren unsere Muskeln müde und unsere Konzentration erschöpft. Mein Geist hingegen war hellwach. Ich fühlte mich trotz aller Anstrengungen der letzten rund anderthalb Stunden erfrischt. Als wir am Steg anlegten, war es beinahe vollständig dunkel geworden. Nur in der Kurve, im äußersten Westen, hinter Tietjens Hütte, waren noch letzte orange-rote Fetzen des schwindenden Abendlichts erkennbar. Wahrscheinlich war dies die letzte Abendfahrt bei mildem Herbstwetter, die ich vor meinem Urlaub erleben durfte. Ich freute mich bereits auf die Regatta im November. Meine allererste, seitdem ich vor anderthalb Jahren mit dem Rudern begonnen hatte. Bis dahin würden wir noch viele Male gemeinsam trainieren. Ganz gleich, wie das Herbstwetter auch ausfallen würde: Wir würden durch bleigrauen Nebel, stürmischen Wind und Regen oder ruhiges, von der Sonne beschienenes Fahrwasser rudern. Wir würden weiter an unserer Rudertechnik arbeiten und an Kondition und Schnelligkeit gewinnen. Keine Anstrengung würde zu groß sein, um am vierten November auf der Alster zeigen zu können, was als Mannschaft in uns steckt!

 

Wiebke Gloe-Carstensen