Ruderzeiten ab Anfang April 2014

24. März 2014 Geschrieben von Dagmar Schleier-Quittkat. in Aktuelles, Alte Herren, Rudern, Sportangebote

Jeweils am Montag um 17 Uhr , am Donnerstag um 9:30 Uhr und am Samstag um 7:30 Uhr trifft sich die Rudergruppe der alten Herren. Die Trainingsgruppe trainiert am Freitag um 17 Uhr und am Dienstag zeitgleich mit den Allgmein-Ruderern jeweils um 18 Uhr. Der Dienstagstermin verschiebt sich dann ab Anfang Mai um eine halbe Stunde nach hinten auf 18:30 Uhr.

 

Nachlese: Ruderwanderfahrt 2013 der „Alten Herren“ des RV OSCH

28. Januar 2014 Geschrieben von Heiner Wenk. in Aktuelles, Alte Herren

 oder

„Die Tour der Leiden“

Spree, Oderspreekanal, Dahme, Müggelspree und Müggelsee

 Wir werden alt.

Rolf Gudegast sitzt im Boot und schmiert seine Beine mit Voltarensalbe ein. Jochen Hass hat ein blockiertes Ileosakralgelenk. Hans Kappler hat Rückenschmerzen. Bodo Renne wird am zweiten Rudertag mit Verdacht auf Herzinfarkt ins Krankenhaus gebracht. Fritz Bokelmann ist gleich ganz zu Hause geblieben, wie auch Wilhelm Hahne. Unsere Holländer fahren nach der ersten Halbzeit  nach Hause, auch hier sind familiäre Krankheits-Probleme der Grund

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Da bleibt nicht mehr viel.

 

Für die übrigen wird es aber wieder eine besonders schöne Tour, liebevoll vorbereitet von Heiner Saade, Jochen Hass und Hans Schiller.

Los geht’s in Kossenblatt (südlich des Scharmützelsees) auf der überfluteten Spree in einem großen Bogen und hinter Beeskow in den Oderspreekanal nach Fürstenwalde, dann nach Westen in die Dahme, durch Berlin-Köpenick über die Regattastrecke von 1936 in Grünau wieder nach Osten in die Müggelspree, durch den großen und den kleinen Müggelsee, durch Neuvenedig und weitere Seen bis nach Rüdersdorf bei Berlin.

Eine Woche haben wir Zeit.

Das Wetter wird viel besser als zuhause in Bremen sein.

Wir werden einen Wander- Kulturtag haben, und es wird uns schaudern, der zweite Weltkrieg wird in grausamster Ausprägung lebendig und die Schlösser im Oderbruch werden besucht.

Ich sitze im Schatten von Theodor Fontane im Frühstücksraum unseres Hotels „Kaiserhof“ in Fürstenwalde, wo sich die Symbiose von Kommunismus und Preußentum symbolisch an der Straßenbeschilderung ablesen läßt: Ecke Friedrich Engels Straße / Kaiserhof liegt das Hotel. Vor dem Hotel viel Grün, in der Tiefgarage viel Wasser nach dem letzten Sturzregen, die Luft feucht und zwischen 20 und 30 Grad Celsius. Gerade bin ich von Lübeck aus hinterhergekommen zur Wanderfahrt, die Kameraden haben schon die obligate Ente intus, eine gastroenterologische Herausforderung bei den tropischen Temperaturen – Sommerente mit Rotkraut und Klößen.

Bei ausufernder Spree konnten die Kameraden die beiden Barken auf einer überfluteten Wiese ins Wasser bringen, es soll alles gut geklappt haben.

So geht es bei Kossenblatt am 23. Juni in die reißende Spree, Jochen Hass hat die Kamera laufen, als wir in die Strömung steuern und dann auch gleich in die Böschung und die umgestürzten Bäume abgedrängt werden. Jochen macht das einzig Richtige: Er läßt die Kamera laufen und hält voll drauf, das wird ein Film!!!

Bei einem Abstecher in den Schwielochsee kommt es dann zu den vom Admiral angeordneten Ruder- und Kommandoübungen, beide Boot überzeugen durch Nichtwissen und Lernwilligkeit.

Bei herrlichem Wetter machen wir Mittagsrast an der Fähre Leißnitz, Superverpflegung, viele Mücken und kein Autan. Repellents und andere Mückenmittel sind im Spreegebiet ausverkauft.

Bei Beeskow haben wir eine Schleuse (Hub: 10 mm), dahinter einen Hafen, wo wir festmachen.

Gegen 17 Uhr stößt Hans Kappler zu uns, im Auto, zwei Stunden später Wolfgang Naujok, mit dem Zug. Wir fahren zum Spargelessen nach Bad Saarow an den Scharmüzelsee, mit anschließendem Spaziergang durch den Ort. Hier in Bad Saarow  ist ein Großteil des Solidaritätszuschages (Aufbau Ost) verbaut, gepflegte Parks, Villen, man wohnt mondän im Gedächtnis an Max Schmeling und andere durchsetzungsfähige Größen der Vergangenheit.

Zurück in Beeskow, können wir am 24. Juni zur Königsetappe starten. Kurz nach dem Start muß Bodo von Bord, mit Herzinfarktverdacht ins Krankenhaus, Wolfgang Naujok begleitet ihn. Bodo wird alsbald nach Frankfurt/Oder weiterverlegt und wir werden ständig in Kontakt bleiben.

Nach 13 Kilometern schleusen wird bergauf in den Oderspreekanal und können hier Wolfgang wieder aufnehmen. Nach einem Picknick geht es den Kanal hinab bis zur Kersdorfer Schleuse, und dann erreichen wir unser Ziel: Berkenbrück vor Fürstenwalde, in einem Seitenarm der Spree, an einer Badestelle gehen wir „vor Anker“, man serviert uns umgehend ein Bier und dann noch eines.

Die Ostera hat sich den Namen „Pausenboot“ verdient, und wir von der Pit haben einen schmerzenden Hintern und kaputte Hände. Gut, daß morgen „Wandertag“ ist.

Fontane hat in den Wanderungen durch die Mark Brandenburg dem Oderbruch einen ganzen Band gewidmet, und wir widmen ihm einen ganzen Tag. Der Oderbruch ist „das“ Oderbruch, weil das Bruch ein Moor war, das der „Alte Fritz“ urbar gemacht hat.

Erst einmal fahren wir durch Seelow nach Küstrin, über die Oder, im Regen. Hier war der „Alte Fritz“ eingesperrt, muße der Enthauptung seines Besten Freundes Katte zusehen. Küstrin gibt es nicht mehr, im zweiten Weltkrieg wurde es mehrfach zerstört und nicht wieder aufgebaut, die Grundmauern sind Weltkulturerbe.

Hier begann 1945 die russische Offensive mit Überquerung der Oder und der Schlacht bei den Seelower Höhen. Hier wurde der Weg freigemacht nach Berlin. Die brutale Schlacht wird uns bei einem Besuch der Gedenkstätte nahegebracht, 1000000 Russen standen 100000 Deutschen gegenüber, 33000 Russen wurden begraben, 12344 Deutsche verscharrt, noch heute werden Leichenteile bei Gartenarbeiten gefunden und die Kriegsgräberfürsorge hat allerhand zu tun. Es stockt der Atem, wenn man die Bilder sieht, von Menschen, die von Panzerketten zerquetscht sind und Kindern, die beim Volkssturm wegliefen, „desertierten“, und deshalb erschossen wurden. Tiefer kann man wohl nicht sinken.

Zurück zu Friedrich dem Großen: In seinem Angesicht gibt es in Letschin eine Roulade und einen Vortrag über den Alten Fritz und das Preußentum.

Piet und Gerhard brechen nach Holland auf und wir nach Neuhardenberg. Bei Kaffee und Kuchen setzt sich Arvid ans Klavier, später in der Schinkelkirche auch an die Orgel, für die Trompete ist heute kein Platz.

Auf Schloß Wulkow speisen wir erneut, und dann geht es nach Fürstenwalde zurück. Morgen werden wir endlich wieder rudern und auf andere Gedanken kommen.

Am 26. Juni rudern wir die kleine Etappe von Berkenbrück nach Spreehagen, das sind nur 20 Kilometer, wir haben eine Schleuse nach 6 km hinter Fürstenwalde, wo wir erst wegen des Hochwassers gar nicht durchgelassen werden sollen. Die Polzei hat dumme Fragen („was machen Sie hier?“), aber dank der Autorität und der Autentizität von Horst Going geht es dann doch. Also: geht doch…

Die Pit ist schwach, erst nach einem Schokoladentransfer wird es etwas besser.

Wilhelm sagt endgültig ab, schickt aber zum Trost Zigarren.

Weil wir rechtzeitig die Boote klar haben, können wir anschließend mit dem Geschäftsführer der „Märkischen Allgemeinen“, Claas Schmedtje, den Flughafen Berlin Brandenburg besuchen. Der Flughafen ist sehr beeindruckend, eigentlich betriebsbereit, wenn da nicht die Kleinigkeit des Brandschutzes zu klären wären, und so weiter und so fort. Man sieht aber sofort, daß die Steuermilliarden hier verbaut wurden. Schön ist er, der Flughafen.

Das Abendessen sei besonders hervorgehoben: In der „Alten Schule“ in Reichenwalde gibt es Spitzkohl und Kasselerfilet – super. Und: Superambiente. Gefunden hat das –wie soll es anders sein – Hans Schiller, auf seinen eigenen Wanderungen durch die Mark.

Nach dem Abendessen wieder Sport: Brasilien besiegt Uruguai 2:1 bei zwei Bier und dann geht es ins Bett. Morgen rudern wir die Regattastrecke in Grünau, wie 2003.

Am 27. Juni rudern wir den Oderspreekanal bis zu seinem Ende oder seinem Anfang. Hier gibt es eine Mittagsrast, hier steht auch ein Denkmal: Der Oderspreekanal wurde in 3 Jahren zwischen 1887 und 1890 fertiggestellt. Da ging noch was (vergleiche Flughafen Berlin Brandenburg).

Dann rudern wir in die Dahme, durch den Zeutener See und den Langen See über die Ragattastrecke und dann sind wir da, am Ziel beim Verein Pro Sport 24 in Köpenick.

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Abends fahren wir nach Madlitz zum Essen in die „Klostermühle“, Superambiente, daß wußte schin der Alte Fritz, das wußte auch die Staatssicherheit der DDR, die sich hier erholte von der ganzen Spitzelei.

Wir verabschieden uns von Jan, unserem Busfahrer, der hat uns gut gefahren und viel erzählt von der Gegend und den Menschen. Spanien gewinnt gegen Italien nach Elf Meterschießen, das Ergebnis weiß ich nicht mehr, zweistellig war es nicht.

Nun kommt es zum Finale. Am 28. Juni rudern wir durch den Müggelsee. Zuvor müssen die Trailer nach Rüdersdorf ans Ziel gebracht werden (Belohnung: Ein Jägermeister von Udo Schmolke morgens um halb 11), sodaß wir (Udo, Hans, Jochen und ich)erst am Müggelsee zusteigen können. Wechselhaftes Wetter macht die Seeüberquerung besonders spannend. Wir werden sehr naß. Am kleinen Müggelsee scheint wieder die Sonne und Hans macht ein letztes Mal Mittag.

Wir fahren durch Klein Venedig, getrieben von einem Ausflugsdampfer, passieren die Woltersdorfer Schleuse, den Dämritzsee, den Flakensee und den Kalksee.  Hier ist es schön, es wird viel gerudert, Skiffs und Vierer begleiten uns. Wie schön ist dieser Sport.

Bei Rüdersdort slippen wir aus, machen die alten Barken sauber und legen sie auf die Trailer.

Abends ein Essen im Hotel, das Personal ist reizend, Walter Krawitz hält eine rührende Dankesrede, adressiert an den Admiral, ich hatte Tags zuvor schon die Arbeit von Jochen und Hans hervorgehoben. Dann Arvid am Schifferklavier und Heinz Harald tanzt mit Peggy (Frau Lehmann).

Am 29 Juni geht es nach Hause. Nach dem Frühstück ins Auto, und dann geht die Post ab. Die anderen fahren mit den Minibussen etwas langsamer.

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Die 34. Ruderwanderfahrt ist Geschichte. Eine schöne Geschichte. Das schönste ist: Es ist alles wahr.

Phantasie ist nicht, Dinge zu erfinden, sondern sich aus den Dingen etwas zu machen.

Sagt Thomas Mann, kein Preuße.

Trotzdem ist das richtig.

Der Redakteur verabschiedet sich und sagt „Danke“ fürs Lesen und die Aufmerksamkeit. Auf Bilder habe ich bewußt verzichtet. Dieser Bericht sei keine Konkurrenz für Jochens Film oder Ziegels Bilder. Ziegel hat sich beim Fotografieren so viel Mühe gegeben, daß er kaum zum Rudern gekommen ist. Liebe Freunde, verzeiht, wenn ich nicht jeden persönlich erwähnt habe. Ich habe versucht, mir das wesentliche zu merken und alles nach bestem Wissen aufgeschieben.

Bleibt zu hoffen, daß Bodo wieder gesund ist, wenn mein Bericht verteilt wird.

Euer

Heiner

heiner.wenk@gmx.de