Fari Cup 2018 – Ein Erlebnis in drei Akten

24. November 2018 Geschrieben von admin. in Fitness- und Freizeitrudern

Es ist Samstag, der 3. November. Die winterliche Nacht liegt noch über den
Hammewiesen, als sich die ersten Autos samt Anhänger mit drei Vierer-Gigs in Richtung Hamburg in Bewegung setzen. Es ist kurz vor sieben, stockdunkel und klirrend kalt – weiße Nebel schweben gespenstisch über den Niederungen – doch die Ruderer der Fitnessgruppe sind bereits hellwach und fiebern ihren Rennen beim Fari Cup entgegen.

Erster Akt

Ganz nah am Sieg

“So gut waren wir noch nie“ – das sind die Worte unserer Trainerin auf dem Weg zurück nach Hause. Was für ein Tag liegt hinter uns!

Der RV OSCH ist mit 3 Vierern auf dem 27. Fari Cup in Hamburg vertreten. Allerbestes Herbstwetter, eine spiegelglatte Alster und 3 gutgelaunte und bestens vorbereitete Mannschaften warten auf ihre Rennen. Da sitze ich nun in meinem Regattatrikot und warte auf den Start. 61 Jahre hat mich der
liebe Gott werden lassen, und ich habe dieses flaue „vor dem Wettkampfgefühl“ noch immer, wie damals als Schülerruderer auf der Maschseeregatta. Gemächlich sind wir die Alster hinaufgefahren, haben uns eingereiht mit unserer Startnummer 64, ich habe Kameraden vom RC Normannia aus Braunschweig und vom Ersten Kieler Ruderclub begrüßen können, ein Boot aus Bremen und eines aus Lübeck ist gar als Gegner in unserem Rennen. Elke, unsere Steuerfrau und Schlagmann Lars sind alte Hasen, Rainer und Torsten sind zum ersten Mal dabei, entsprechend aufgeregt. „Können wir noch mal anlegen?“ Elke: „Auf keinen Fall! Ausziehen jetzt!“

Fliegender Start.
Wir kommen gut weg.
Konstanter Abstand zum Boot hinter uns. Elke steuert professionell. Kein Fehler.
Ich merke nach dem ersten Kilometer sehr meine Sauerstoffschuld, aber das gibt sich wieder. Lars rudert einen hervorragenden Schlag.
Dann die letzte Brücke vor der Außenalster: Brigitte steht am Geländer und ruft uns zu: „Groß bleiben und gleich habt ihr sie!“
Und tatsächlich liegen wir mit dem Lübecker Boot schon auf gleicher Höhe. Sehr geschickt steuert Elke die gelbe Boje an und die Lübecker müssen ausweichen, wir haben sie geknackt.
Dann die lange Gerade bis ins Ziel.
Der Weg ist weit, aber wir halten den Schlag und das Tempo.
Am Ende sind wir Zweiter, hinter dem Bremer Boot, aber vor Lübeck und Hamburg, und die Sieger waren gerade mal 10 Sekunden schneller als wir.
Mit unserem neuen Boot werden wir das im nächsten Jahr auch noch schaffen! Wir werden daran arbeiten.

„Danke“ an die Steuerfrau, die Trainerin, die Mannschaft, und an die Fari Cup-Organisateure.

Heiner Wenk aus der „Schink“

Zweiter Akt

Pensionärsvierer mit Kraft und Spaß dabei

Unser Dank gilt den Organisatoren des Fari Cup, alles bestens organisiert, bestes Wetter bestellt, kein Streß , keine Hektik……, das übertrug sich auch auf uns, die wir hier schon am Start waren und in einer neuen Besetzung unser Können beweisen wollten.

Wir, das sind: Matthias, unser Steuermann, Schlagmann Enno, der uns die letzten Wochen mit Brigitte zur Mannschaft formte, der unsere gemeinsamen Termine koordinierte und uns wie Brigitte motivierte. Auf 3 Werner, der vom „Einerfahrer“ zum Mannschaftsspieler aufstieg. Auf 2 Erhard, der mit Ruhe und Gelassenheit auch für Druck im Boot sorgte. Und auf 1 Jörg, der sich nach einer Regattapause im letzten Jahr wieder darauf freute dabei zu sein.
Nachdem wir alle gemeinsam unsere Boote startklar gemacht hatten, ging es zum Steg. Ablegen – und mit unserer „Kiebitz“ glitten wir entlang der noblen Bootshäuser auf der Außenalster hinein in die Kanäle Hamburgs. Matthias führte uns ruhig und bestimmt an die Startposition – mal mit „halber Kraft“, mal mit kurzem Anzug „auf Dreiviertelkraft“, so dass wir unseren Rhythmus einstimmen konnten.

Nachdem wir unsere warme Kleidung abgelegt hatten, und unsere RV OSCH Trikots bei schönstem Sonnenschein zur vollen Geltung kamen, ging es langsam auf die Startlinie zu – die Ansage erfolgte und mit einem fliegenden Start ging es in das Rennen. Die ersten 10/20 harten Schläge gaben der „Kiebitz“ schon auf Höhe der Startlinie den Schub, den wir dann in einen guten Rhythmus umsetzen konnten.
„Die Beine, die Länge, die Ruhe auf der Rolle , klares Setzen und Schub“ so ging es in meinem Kopf – Automation – alles jetzt auf den Punkt bringen – Matthias bringt uns auf den ersten 1000 Metern gut auf die Strecke, wir geben uns hinein und mit einer Mannschaft die es wissen will, ziehen wir mit Freude an unserer Trainerin Brigitte vorbei in den ersten Spurt, der uns noch näher an das vor uns gestartete Boot führt. Noch eine Brücke, dann die Außenalster, und wir schieben uns an das Boot heran. Wir hören die andere Mannschaft, aber unser Schlag, unser Druck geht nochmals höher, die Länge bleibt – wir sind auf ihrer Höhe und ziehen jetzt vorbei – keine Blicke zur Seite, Konzentration – Matthias will mit uns den nächsten Vierer knacken. Wir hören die Rufe vom Landungssteg, wir setzen an und sind auf den letzten 1000 Metern, „Wir schaffen das!!!!“…., geschafft , jetzt noch mal alles geben –„Ihr gebt alles…“Matthias hat uns voll im Griff, wir hören die Ansagen vom nahenden Ruderclub – die Schlagzahl geht nochmal hoch – die Länge bleibt – mehr Druck geht nicht mehr als 27? oder? – Wir durchfahren
das Ziel mit allem was geht, geschafft –
Alles pocht, jetzt weiter gut durchatmen, ausrudern – genießen und eine Abschlussrunde auf der Binnenalster, jetzt um die große Fontäne ein Blick auf „Hamburgs gute Stube“ mit Regenbogen – Erhard zückt die Filmkamera – noch ein Bild – dann zum Steg. Wir sind Gruppenzweiter und zufrieden mit unserer Leistung, mehr als nur dabei zu sein! Hamburg wir kommen wieder, 2019 Fari Cup

Erlebnisse von Jörg Fanelli aus der „Kiebitz“

Dritter Akt

Frauenpower bis zuletzt

Mir ist kalt, als ich gegen 9 Uhr mit den anderen den Hänger ablade. Fünf Grad Celsius machen wenig Mut, wenn man die nächsten fünf Stunden vor dem Start draußen verbringen und sich obendrein auf eine lange, bewegungslose Wartezeit in der Schlange vor dem Start der Einzelzeitrennen gefasst machen muss. Zum Glück strahlt die Sonne bereits vom blitzeblauen Himmel. Das macht Mut. Ich sehe trotzdem aus wie ein Michelin-Männchen in meinen Kleidungsschichten, doch dieser Look erscheint mir für die nächsten Stunden arterhaltend – genau wie den meisten der rund tausend Ruderer, die an diesem Tag die Alster in ihren Booten erobern wollen. Das bunte, kameradschaftliche Treiben und der herrliche Sonnenschein verkürzen die Wartezeit enorm: Überall werden Boote über den Weg an der Alster getragen, von Mannschaften in schneidigen Teamoutfits. Stimmengewirr, Gelächter, Lautsprecherdurchsagen vom Steg am Clubhaus des Gastgebers. Als letztes Boot unserer Entourage starten wir erst kurz vor zwei. Gegen 12.30 Uhr gibt
unsere Steuerfrau Iris endlich das Signal. Dann darf die „Hedwig“ auf die Alster und vor uns liegen ein paar Kilometer bis zum Start- und Sammelpunkt im Ortsteil Barmbek. Die Stimmung ist super: Schlagfrau Jenny, Christa, Christine und ich lassen unter der Ägide von Iris die herrschaftlichen Alstervillen an uns vorbei ziehen. Die Sonne glitzert auf dem Wasser und halb Hamburg ist draußen auf den Beinen.
Auf dem Weg zum Sammelpunkt lesen wir die Startnummern der anderen Boote und nehmen schon einmal unsere Konkurrentinnen ins Visier. Wir haben ein starkes Feld vor uns – unter anderem eine Renngemeinschaft aus ehemaligen Leistungssportlerinnen. Einschüchtern lassen wir uns davon nicht. Jede von uns wird alles geben an diesem Tag.
Plötzlich stehen wir kurz vor dem Start und verstauen die letzten wärmenden Schichten unter den Rollsitzen. Der Wind ist kalt, doch das registriere ich kaum noch. Fliegender Start – Jenny zieht auf 28 Schläge hoch. Die Hedwig wird nach vorn katapultiert. Nach ungefähr 30 Schlägen pendeln wir uns auf unseren Rennschlag von 25 ein. Es läuft super! Wenige hundert Meter, bevor wir auf die Alster fahren, höre ich eine laute
Stimme – ich kann es kaum glauben, sie ruft unsere Namen. Wir werden angefeuert – es ist Brigitte. Wow! – Wir hauen rein und erreichen die Alster. Iris lässt nicht locker und heizt uns mit ständigen Zurufen an: „Ihr kommt immer näher an das nächste Boot ran. Zieht durch!“ Wir überholen eine Alsterbarkasse – die war aber nicht gemeint. Die lange Gerade bis zum Ziel scheint kein Ende zu nehmen. Jenny fightet vor mir und ich gebe alles, um dran zu bleiben. „Noch zweihundert Meter“, schreit Iris. Dann höre ich den Kommentator am Steg. Der Endspurt verlangt uns das Letzte ab, was noch in unseren Muskeln steckt. Gut, dass wir jetzt zusätzlich vom Ufer aus angefeuert werden. Das müssen unsere Männer sein, die ihre Rennen längst absolviert haben. Dann tönt die Hupe. Geschafft!
Unser Puls rast, aber wir jubeln innerlich. Gelächter, der Atem kommt zurück für erste Gesprächsfetzen. Was für ein Rennen! Wir fahren unter der Kennedybrücke hindurch und umrunden die große Fontäne auf der Binnenalster. Ein Regenbogen wird im Wassernebel sichtbar. Ich spüre das Glück jeder einzelnen Kameradin im Boot. Das es am Ende nur für den vierten Platz in unserer Wertung gereicht hat, schmälert das Erlebnis kein Stück. 4,2 Kilometer in 19.43 Minuten, immerhin 14 Sekunden schneller als im letzten Jahr. Da ist noch Luft nach oben. 2019 bin ich wieder dabei!

Ein ganz besonderer Dank gilt an diesem Tag Elke und Matthias, die sich kurzfristig als Steuerleute für die Männerboote bereit erklärt hatten. Außerdem danken wir Lars, der unsere Boote samt Hänger versiert zum Sattelplatz gebracht hat und sich nicht von dem dort herrschenden Chaos aus der Ruhe bringen ließ! Ebenso danken wir unserer Ersten Vorsitzenden Monika, die ihren Samstag als Kinderbetreuerin von Insa am Rande des
Geschehens verbracht hat und uns allen spürbar die Daumen gedrückt hat. Ein riesengroßes Dankeschön hat sich unsere Trainerin Brigitte verdient, die uns in den letzten Monaten auf das Rennen vorbereitet und diesen Tag super organisiert hat.

Wiebke Gloe-Carstensen aus der „Hedwig“

Lübeck begeisterte mit abwechslungsreichem Ruderrevier

23. September 2018 Geschrieben von Susanne Steeneck. in Jugendabteilung

Manchmal kommt es anders als gedacht. Seit Monaten wurde geplant mit den RV OSCH Kiindern und Junioren eine Wanderfahrt auf der Hase zu machen und beim Ruderverein in Meppen unterzukommen, dort einen Tag gemeinsam mit dem Nachwuchs des Gastvereins zu rudern und zu grillen sowie einen Ausflug ins Freizeitparadies Schloss Dankern zu machen. Aber auf Grund der langen Hitzeperiode war der Wasserstand der Hase so niedrig, dass wir kurzfristig das Ruder herumreißen und eine Alternative finden mussten. Nach vielen Telefonaten fanden wir dann einen Platz bei der Lübecker Ruder-Gesellschaft von 1885 e.V.

So machten wir uns in der letzten Sommerferienwoche mit zehn Kindern und Jugendlichen sowie zwei Trainern und einer Betreuerin mit zwei Kleinbussen für fünf Tage auf nach Lübeck. Nach einer freundlichen Begrüßung, Einweisung in den Bootspark, Einrichtung unseres Lagers und einer kleinen Stärkung ging es gleich auf Wasser. Mit den von der LRG geliehen Booten ruderten wir über die Kanaltrave, den Stadtgraben, die Trave und die alte Trave und konnten somit bei einer Stadtrundfahrt auf dem Wasser viele schöne Gebäude, Schiffe, Kunstwerke etc. entdecken. Ein toller Einstieg ins fremde Ruderrevier. Der Gig 2x+ lieferte sich noch mit einem von 16 Erwachsenen angetriebenen Drachenboot ein Rennen und ließ dieses hoffnungslos hinter sich.

Trotz der Hitze luden wir am zweiten Tag unsere Boote auf Wagen, um diese im Düker einzusetzen und um von dort aus nach Ratzeburg zu starten. Beim ersten Stück kamen wir an Hinterhöfen und Kleingärten vorbei, die mit ihrer bunten Vielfalt begeisterten. Hier querten nicht nur Enten und Schwimmer unseren Weg, sondern auch einige luftige und lustige Schwimmhilfen. Danach ging es auf die Wakenitz, die erst noch ein belebtes Ufer vorwies, dann aber immer einsamer wurde und mit einer fabelhaften Pflanzen- und Wasserwelt faszinierte. Blühende Seerosenfelder, Schwäne, Enten, diverse Vögel in der Luft, Lampenputzer und Wasser so klar, dass man auf den Grund schauen konnte. Erst glich die Wackenitz einer kleinen Seenlandschaft und wurde dann zu einem schmalen Flüsschen, dass sich dann durch einen Wald schlängelte, der uns hin und wieder ein bisschen Schatten spendete. Bevor wir auf den Ratzeburger See wechselten machten wir eine ausgiebige Pause in Rotenhusen. Erstmal stärken, die Füße im See abkühlen und den Schatten genießen.

Der Ratzeburger See war dann ein Kontrastprogramm zur Wakenitz: wellig, weiter Blick, tief, lang, breit und pralle Sonne. Bevor wir unser eigentliches Ziel, den Ratzeburger Ruderclub ansteuerten, machten wir an der Ruderakademie halt und schauten uns dort ein wenig auf dem Gelände um. Zu unserem Leidwesen war dort nicht ein Ruderer zu entdecken, naja so ist das nun mal in den Ferien, die Internatsbesucher wollen hin und wieder auch Zeit mit ihren Familien verbringen. Also wieder einsteigen und das letzte kurze Stück durch eine sehr enge Durchfahrt in den Küchensee wechseln. Schnell am Steg des Ruderclubs angelegt, die Boote für die Nachtlagerung klargemacht und dann aus den Klamotten raus ab ins kühle Wasser schwimmen. Was für ein herrliches Gefühl nach ca. 25 km bei weit über 30 Grad. Bevor es dann mit Bus zurück zum Ausgangspunkt ging wurden alle mit einem Eis belohnt. Der dritte Tag wurde dann von der anderen Seite her aufgerollt. Obwohl nach zwei langen Touren alle erstmal platt waren, erwachten am Abend die Lebensgeister und so gab es noch eine wilde Verfolgungsjagd im Dunkeln um sich gegenseitig die bunt leuchtenden Knicklichter abzujagen und jede Menge Spaß zu haben.

Am vierten Tag ruhten die Skulls und es wurde ausgeschlafen, um dann frisch zu Fuß die tolle Altstadt von Lübeck zu erkunden. In kleinen Gruppen machten sich die Kids und ihre Begleiter auf den Weg. Eine Aufgabe war es ein Foto vom Holstentor zu machen auf dem mindesten ein Kind zu sehen sein sollte, dass einen Handstand macht. Ansonsten konnte jeder seine Interessen verfolgen. Die Trainer orientierten sich an historischem, sie erklommen unter anderem einen Kirchturm und genossen die Aussicht über Lübeck und um zu. Die jüngere Generation hingegen shoppte von ihrem Taschengeld z.B. Wasserspielzeug, um dies am Nachmittag beim Planschen im Krähenteig einzusetzten. Was zu jeder Menge Spaß führte.

Für die Abschiedstour am letzten Tag schmückten wir ein Boot mit einem pinken aufblasbaren Flamingo als Gallionsfigur, der einiges Aufsehen erregte. Die Route führte uns dann über die nördliche Trave zur Teerhofinsel, wo wir bei einem Schulruderverein halt und ein vielfältiges Picknick machten. Auf dieser Strecke betrachteten wir viel Industrie, an einer Stelle wurde z.B. ein Güterzug beladen. Es war ziemlich windig und man musste schon ordentlich Kraft einsetzen um diese Strecke zu meistern. Im Anschluss noch die Boote gründlich gereinigt, alle RV OSCH-Utensilien zusammengesucht und in den Bussen verstaut, dann die Lager abgerissen, alle Räume nochmal auf Überbleibsel kontrolliert und dann ab auf die Straße Richtung Heimat.

Wir hatten eine tolle Stimmung während der ganzen Wanderfahrt, konnten uns gegenseitig auf einander verlassen und passten aufeinander auf. So macht das Leben Spaß. Ich würde jederzeit wieder mit euch losfahren und freue mich schon auf unseren Ausflug in ein fremdes Rudervier in 2019. Danke für die schöne Zeit mit euch.

Susanne Steeneck

Kein Glück in Hannover, tolle Leistungen in Köln

26. Juni 2018 Geschrieben von Trainer. in Jugendabteilung

Am vergangenen Wochenende ging mit der Deutschen Jugendmeisterschaft in Köln unsere Saison auf dem Fühlinger See zuende. Benita Razetti hatte sich den langen Weg dorthin hart erarbeitet. Nachdem sie im Frühjahr im Ratzeburger Ruderinternat vorstellig wurde und direkt die Aufmerksamkeit des Internatstrainers erlangte, besuchte sie diverse Regatten zusammen mit dem Team aus Schleswig-Holstein, so auch die Ghent international Spring Regatta in Belgien. Sie erruderte in Lübeck im Doppelzweier den ersten Sieg der Saison und sammelte kurz darauf erste Eindrücke von der ganz großen Ruderwelt, als sie im Trainingslager in München auf der Olympiastrecke von 1972 rudern durfte. Die darauffolgende internationale Regatta in München kommentierte sie schlicht mit den Worten „Wahnsinn. Einfach Wahnsinn!“

Nachdem sie sich durch gute Leistungen auf den DRV-Juniorenregatten in Köln und Hamburg für einen Startplatz auf der Jugendmeisterschaft empfohlen hatte, bestätigte der zuständige Landestrainer in Schleswig-Holstein den Eindruck und gab grünes Licht für das Viererprojekt, dem sich Benita mittlerweile angeschlossen hatte. Eine letzter Test stand zwei Wochen vor dem Zielwettkampf im dänischen Haderslev an, dann ging es erneut los nach Köln. Nachdem das Team aus Schleswig-Holstein im Vorlauf den fünften Platz belegte und somit den Umweg über den Hoffnungslauf nehmen musste, lief es am Folgetag deutlich besser. Das Team um Schlagfrau Benita belegte den zweiten Platz und sicherte sich somit den Finaleinzug. Nach dem Halbfinale stand fest: Am Sonntag geht es im B-Finale um die Plätze 7 – 12.

Nach einem großartigen Start konnte sich das Boot zunächst im Feld einsortieren, doch schon nach 500 geruderten metern war klar, dass die Konkurrenz ebenfalls rudern kann: Die drei führenden Boote waren eine gute Bootslänge weg, ein weiteres Boot lag einen Luftkasten vor  Schleswig-Holstein. Gleichauf war außerdem noch das Team aus Datteln und Waltrop. Erst nach 1000 Metern kristallisierte sich ein Vorsprung von einer Bootslänge gegenüber dem Team aus dem Ruhrgebiet heraus. Nach einem bissigen Endspurt, in dem das Team alles versuchte, um auch noch an die Berliner Renngemeinschaft heranzufahren, blieb es jedoch beim fünften Platz in ihrem Lauf und somit dem 11. Platz insgesamt. Benita war mit sich zufrieden: „Wir wussten, dass es ein unglaublich hartes Rennen würde. Unser Ziel war es, überhaupt ins Finale einzuziehen, immerhin fünf Boote haben das nicht geschafft. Dass es dann zum 11. Platz gereicht in Deutschland hat, ist toll!“

Wieder kein Glück in Hannover

Nachdem Benita in dieser Saison erstmals im Juniobereich startete, konnte ihre ehemalige Zweierpartnerin Chantal Schröder noch ein Jahr im Kinderbereich antreten. Mit ihrer neuen Zweierpartnerin Stina Asmann hat sie einen tollen Ersatz für Benita gefunden. Die beiden konnten gleich auf der ersten Regatta der Saison in Bremen ein Zeichen setzen und die Langstreckenz eit aus dem letzten Jahr um über eine Minute verbessern. Beflügelt von diesem Erfolg räumten sie auf der Regatta auf dem Werdersee gleich in jedem der folgenden Rennen ab: Im Doppelzweier siegten sie mit überragendem Vorsprung über 700 Meter, im einer wiederholte Stina dieses Kunststück am Sonntag gleich nochmal, während Chantal nicht an den Start ging.

Krankheitsbedingt etwas geschwächt gingen Stina und Chantal in Otterndorf auf die Langstrecke, blieben dort aber etwas hinter den Erwartungen zurück. Dafür konnten sie auch hier das 1000 m Rennen mit viel Abstand gewinnen. Am zweiten Tag wollten sie dann im Vierer zusammen mit Mathilde Kaplan und Luisa Kintrup der Konkurrenz aus der Großstadt zeigen, wie man im beschaulichen Osterholz-Scharmbeck rudert. Die Bremerinnen mussten etwa auf der Streckenhälfte dem Druck der Kleinstädter nachgeben, doch Hamburg wand sich noch. Bis ins Ziel konnten sie ihren Vorsprung halten – mit nicht ganz fairen Mitteln, wie der Schiedsrichter am Ende entschied. Nach gravierenden Bahnverstößen zu Beginn und in entscheidenen Phasen des Rennens erklärte er beide Boote zum Sieger – großer Jubel für die Teufelsmoormetropole! Lukas Weber, im letzten Jahr frisch in die Juniorengruppe gewechselt, sammelte Erfahrungen im leichten Einer der B-Junioren. Außerdem konnten in Otterndorf die beiden Coaches Marlon Kutzsche und Sebastian Bode zusammen mit Tobias Bullwinkel und Tom Puls (Aurich) einen Sieg im Riemenvierer der Männer errudern. Sebastian Bode und Kim Steeneck erreichten im Doppelzweier den dritten Platz.

Mit großen Erwartungen reisten Stina und Chantal dann nach Hannover, wo sie sich durch einen Landesmeistertitel für den Bundeswettbewerb qualifizieren wollten. Mit leichten Startschwierigkeiten auf der Langstrecke belegten sie hier den dritten Platz und blieben hinter den eigenen Erwartungen zurück. Böse Erinnerungen an die vergangene Saison kamen bei Chantal hoch, wo sie zusammen mit Benita das Feld anführte, bis das Rennen aufgrund einer Kollision auf einer anderen Bahn neu gestartet werden musste. Im neuen Anlauf konnten sie ihr Kunststück nicht wiederholen und verpassten so die Qualifikation für den Bundeswettbewerb. Im diesjährigen Wettbewerb wollten Chantal und Stina deshalb alles von Anfang an richtig machen. Heiß wie Frittenfett gingen sie im neuen Boot Günther Buttkus an den Start. Der Startschuss fiel just in dem Moment, als sie auf dem windigen See ihre Fahrrichtung noch korrigieren wollten. Dennoch legten sie nach einem nur „okayen“ ersten Schlag einen beeindruckenden Start hin und setzten sich an die Spitze. Die Mädels aus Celle waren ihnen jedoch dicht auf den Fersen und bei 500 m passierte das Unglück: Ein Krebs bremste das Gespann aus. Sie fingen sich blitzschnell, doch es war passiert: Celle übernahm die Führung und trotzte bis ins Ziel allen Angriffen. Über den Vize-Landesmeistertitel freute sich an diesem Abend niemand mehr, war doch der BW so greifbar nah.

Der Ärger über den Krebs wich nach einer Ansprache von Trainer Johannes Mangold schnell der Zuversicht. „Es war einfach Pech! Die beiden Mädels hätten es verdient, stattdessen erteilt Ihnen der Rudersport so früh eine wichtige Lektion: dass man es verdient, heißt nicht automatisch, dass man es auch bekommt. Man muss hart dafür arbeiten und darf sich von Rückschlägen nicht entmutigen lassen. Die Mädels haben eine tolle Saison hinter sich und werden bestimmt im nächsten Jahr wieder angreifen – dann noch klüger, noch besser. Ich freue mich jetzt schon wie ein Schnitzel darauf!“

Ein Vizelandesmeister-Titel, ein 11. Platz im ersten B-Jahr

Mit Benitas Erfolg auf der Jugendmeisterschaft geht sie konsequent den Weg weiter, der bereits im Jahr 2011 unter Trainer Andreas Lindenberg begann: Eine Teilnahme an den deutschen Meisterschaften gab es seither in jedem Jahr. „Bereits vor meiner Zeit als Cheftrainer hatten wir Sportler, die es geschafft haben, sich auf der deutschen Meisterschaft zu messen. Die von mir betreuten Jugendlichen gingen dann diesen Weg weiter. Rennrudern geht eben auch auf der beschaulichen Hamme, das dürfte mittlerweile jedem klar sein. Sportler lernen bei uns früh, Hürden sportlich zu nehmen und Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Das hilft ihnen dann später in ihrer Sportlerlaufbahn wie auch im Leben.“

Weiter geht es nach der Sommerpause auf den Regatten in Hamburg und Mölln, wo wir uns schon wieder auf die nächste Saison vorbereiten. 2019 werden dann die Karten neu gemischt. Trainer Johannes Mangold freut sich erstmal auf seine Sommerpause „aber danach geht’s wieder rund, ich bin heiß!“