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Fari Cup 2018 – Ein Erlebnis in drei Akten

24. November 2018 Geschrieben von admin. in Fitness- und Freizeitrudern

Es ist Samstag, der 3. November. Die winterliche Nacht liegt noch über den
Hammewiesen, als sich die ersten Autos samt Anhänger mit drei Vierer-Gigs in Richtung Hamburg in Bewegung setzen. Es ist kurz vor sieben, stockdunkel und klirrend kalt – weiße Nebel schweben gespenstisch über den Niederungen – doch die Ruderer der Fitnessgruppe sind bereits hellwach und fiebern ihren Rennen beim Fari Cup entgegen.

Erster Akt

Ganz nah am Sieg

“So gut waren wir noch nie” – das sind die Worte unserer Trainerin auf dem Weg zurück nach Hause. Was für ein Tag liegt hinter uns!

Der RV OSCH ist mit 3 Vierern auf dem 27. Fari Cup in Hamburg vertreten. Allerbestes Herbstwetter, eine spiegelglatte Alster und 3 gutgelaunte und bestens vorbereitete Mannschaften warten auf ihre Rennen. Da sitze ich nun in meinem Regattatrikot und warte auf den Start. 61 Jahre hat mich der
liebe Gott werden lassen, und ich habe dieses flaue „vor dem Wettkampfgefühl“ noch immer, wie damals als Schülerruderer auf der Maschseeregatta. Gemächlich sind wir die Alster hinaufgefahren, haben uns eingereiht mit unserer Startnummer 64, ich habe Kameraden vom RC Normannia aus Braunschweig und vom Ersten Kieler Ruderclub begrüßen können, ein Boot aus Bremen und eines aus Lübeck ist gar als Gegner in unserem Rennen. Elke, unsere Steuerfrau und Schlagmann Lars sind alte Hasen, Rainer und Torsten sind zum ersten Mal dabei, entsprechend aufgeregt. „Können wir noch mal anlegen?“ Elke: „Auf keinen Fall! Ausziehen jetzt!“

Fliegender Start.
Wir kommen gut weg.
Konstanter Abstand zum Boot hinter uns. Elke steuert professionell. Kein Fehler.
Ich merke nach dem ersten Kilometer sehr meine Sauerstoffschuld, aber das gibt sich wieder. Lars rudert einen hervorragenden Schlag.
Dann die letzte Brücke vor der Außenalster: Brigitte steht am Geländer und ruft uns zu: „Groß bleiben und gleich habt ihr sie!“
Und tatsächlich liegen wir mit dem Lübecker Boot schon auf gleicher Höhe. Sehr geschickt steuert Elke die gelbe Boje an und die Lübecker müssen ausweichen, wir haben sie geknackt.
Dann die lange Gerade bis ins Ziel.
Der Weg ist weit, aber wir halten den Schlag und das Tempo.
Am Ende sind wir Zweiter, hinter dem Bremer Boot, aber vor Lübeck und Hamburg, und die Sieger waren gerade mal 10 Sekunden schneller als wir.
Mit unserem neuen Boot werden wir das im nächsten Jahr auch noch schaffen! Wir werden daran arbeiten.

„Danke“ an die Steuerfrau, die Trainerin, die Mannschaft, und an die Fari Cup-Organisateure.

Heiner Wenk aus der „Schink“

Zweiter Akt

Pensionärsvierer mit Kraft und Spaß dabei

Unser Dank gilt den Organisatoren des Fari Cup, alles bestens organisiert, bestes Wetter bestellt, kein Streß , keine Hektik……, das übertrug sich auch auf uns, die wir hier schon am Start waren und in einer neuen Besetzung unser Können beweisen wollten.

Wir, das sind: Matthias, unser Steuermann, Schlagmann Enno, der uns die letzten Wochen mit Brigitte zur Mannschaft formte, der unsere gemeinsamen Termine koordinierte und uns wie Brigitte motivierte. Auf 3 Werner, der vom „Einerfahrer“ zum Mannschaftsspieler aufstieg. Auf 2 Erhard, der mit Ruhe und Gelassenheit auch für Druck im Boot sorgte. Und auf 1 Jörg, der sich nach einer Regattapause im letzten Jahr wieder darauf freute dabei zu sein.
Nachdem wir alle gemeinsam unsere Boote startklar gemacht hatten, ging es zum Steg. Ablegen – und mit unserer „Kiebitz“ glitten wir entlang der noblen Bootshäuser auf der Außenalster hinein in die Kanäle Hamburgs. Matthias führte uns ruhig und bestimmt an die Startposition – mal mit „halber Kraft“, mal mit kurzem Anzug „auf Dreiviertelkraft“, so dass wir unseren Rhythmus einstimmen konnten.

Nachdem wir unsere warme Kleidung abgelegt hatten, und unsere RV OSCH Trikots bei schönstem Sonnenschein zur vollen Geltung kamen, ging es langsam auf die Startlinie zu – die Ansage erfolgte und mit einem fliegenden Start ging es in das Rennen. Die ersten 10/20 harten Schläge gaben der „Kiebitz“ schon auf Höhe der Startlinie den Schub, den wir dann in einen guten Rhythmus umsetzen konnten.
„Die Beine, die Länge, die Ruhe auf der Rolle , klares Setzen und Schub“ so ging es in meinem Kopf – Automation – alles jetzt auf den Punkt bringen – Matthias bringt uns auf den ersten 1000 Metern gut auf die Strecke, wir geben uns hinein und mit einer Mannschaft die es wissen will, ziehen wir mit Freude an unserer Trainerin Brigitte vorbei in den ersten Spurt, der uns noch näher an das vor uns gestartete Boot führt. Noch eine Brücke, dann die Außenalster, und wir schieben uns an das Boot heran. Wir hören die andere Mannschaft, aber unser Schlag, unser Druck geht nochmals höher, die Länge bleibt – wir sind auf ihrer Höhe und ziehen jetzt vorbei – keine Blicke zur Seite, Konzentration – Matthias will mit uns den nächsten Vierer knacken. Wir hören die Rufe vom Landungssteg, wir setzen an und sind auf den letzten 1000 Metern, „Wir schaffen das!!!!“…., geschafft , jetzt noch mal alles geben –„Ihr gebt alles…“Matthias hat uns voll im Griff, wir hören die Ansagen vom nahenden Ruderclub – die Schlagzahl geht nochmal hoch – die Länge bleibt – mehr Druck geht nicht mehr als 27? oder? – Wir durchfahren
das Ziel mit allem was geht, geschafft –
Alles pocht, jetzt weiter gut durchatmen, ausrudern – genießen und eine Abschlussrunde auf der Binnenalster, jetzt um die große Fontäne ein Blick auf „Hamburgs gute Stube“ mit Regenbogen – Erhard zückt die Filmkamera – noch ein Bild – dann zum Steg. Wir sind Gruppenzweiter und zufrieden mit unserer Leistung, mehr als nur dabei zu sein! Hamburg wir kommen wieder, 2019 Fari Cup

Erlebnisse von Jörg Fanelli aus der „Kiebitz“

Dritter Akt

Frauenpower bis zuletzt

Mir ist kalt, als ich gegen 9 Uhr mit den anderen den Hänger ablade. Fünf Grad Celsius machen wenig Mut, wenn man die nächsten fünf Stunden vor dem Start draußen verbringen und sich obendrein auf eine lange, bewegungslose Wartezeit in der Schlange vor dem Start der Einzelzeitrennen gefasst machen muss. Zum Glück strahlt die Sonne bereits vom blitzeblauen Himmel. Das macht Mut. Ich sehe trotzdem aus wie ein Michelin-Männchen in meinen Kleidungsschichten, doch dieser Look erscheint mir für die nächsten Stunden arterhaltend – genau wie den meisten der rund tausend Ruderer, die an diesem Tag die Alster in ihren Booten erobern wollen. Das bunte, kameradschaftliche Treiben und der herrliche Sonnenschein verkürzen die Wartezeit enorm: Überall werden Boote über den Weg an der Alster getragen, von Mannschaften in schneidigen Teamoutfits. Stimmengewirr, Gelächter, Lautsprecherdurchsagen vom Steg am Clubhaus des Gastgebers. Als letztes Boot unserer Entourage starten wir erst kurz vor zwei. Gegen 12.30 Uhr gibt
unsere Steuerfrau Iris endlich das Signal. Dann darf die „Hedwig“ auf die Alster und vor uns liegen ein paar Kilometer bis zum Start- und Sammelpunkt im Ortsteil Barmbek. Die Stimmung ist super: Schlagfrau Jenny, Christa, Christine und ich lassen unter der Ägide von Iris die herrschaftlichen Alstervillen an uns vorbei ziehen. Die Sonne glitzert auf dem Wasser und halb Hamburg ist draußen auf den Beinen.
Auf dem Weg zum Sammelpunkt lesen wir die Startnummern der anderen Boote und nehmen schon einmal unsere Konkurrentinnen ins Visier. Wir haben ein starkes Feld vor uns – unter anderem eine Renngemeinschaft aus ehemaligen Leistungssportlerinnen. Einschüchtern lassen wir uns davon nicht. Jede von uns wird alles geben an diesem Tag.
Plötzlich stehen wir kurz vor dem Start und verstauen die letzten wärmenden Schichten unter den Rollsitzen. Der Wind ist kalt, doch das registriere ich kaum noch. Fliegender Start – Jenny zieht auf 28 Schläge hoch. Die Hedwig wird nach vorn katapultiert. Nach ungefähr 30 Schlägen pendeln wir uns auf unseren Rennschlag von 25 ein. Es läuft super! Wenige hundert Meter, bevor wir auf die Alster fahren, höre ich eine laute
Stimme – ich kann es kaum glauben, sie ruft unsere Namen. Wir werden angefeuert – es ist Brigitte. Wow! – Wir hauen rein und erreichen die Alster. Iris lässt nicht locker und heizt uns mit ständigen Zurufen an: „Ihr kommt immer näher an das nächste Boot ran. Zieht durch!“ Wir überholen eine Alsterbarkasse – die war aber nicht gemeint. Die lange Gerade bis zum Ziel scheint kein Ende zu nehmen. Jenny fightet vor mir und ich gebe alles, um dran zu bleiben. „Noch zweihundert Meter“, schreit Iris. Dann höre ich den Kommentator am Steg. Der Endspurt verlangt uns das Letzte ab, was noch in unseren Muskeln steckt. Gut, dass wir jetzt zusätzlich vom Ufer aus angefeuert werden. Das müssen unsere Männer sein, die ihre Rennen längst absolviert haben. Dann tönt die Hupe. Geschafft!
Unser Puls rast, aber wir jubeln innerlich. Gelächter, der Atem kommt zurück für erste Gesprächsfetzen. Was für ein Rennen! Wir fahren unter der Kennedybrücke hindurch und umrunden die große Fontäne auf der Binnenalster. Ein Regenbogen wird im Wassernebel sichtbar. Ich spüre das Glück jeder einzelnen Kameradin im Boot. Das es am Ende nur für den vierten Platz in unserer Wertung gereicht hat, schmälert das Erlebnis kein Stück. 4,2 Kilometer in 19.43 Minuten, immerhin 14 Sekunden schneller als im letzten Jahr. Da ist noch Luft nach oben. 2019 bin ich wieder dabei!

Ein ganz besonderer Dank gilt an diesem Tag Elke und Matthias, die sich kurzfristig als Steuerleute für die Männerboote bereit erklärt hatten. Außerdem danken wir Lars, der unsere Boote samt Hänger versiert zum Sattelplatz gebracht hat und sich nicht von dem dort herrschenden Chaos aus der Ruhe bringen ließ! Ebenso danken wir unserer Ersten Vorsitzenden Monika, die ihren Samstag als Kinderbetreuerin von Insa am Rande des
Geschehens verbracht hat und uns allen spürbar die Daumen gedrückt hat. Ein riesengroßes Dankeschön hat sich unsere Trainerin Brigitte verdient, die uns in den letzten Monaten auf das Rennen vorbereitet und diesen Tag super organisiert hat.

Wiebke Gloe-Carstensen aus der „Hedwig“

Fari Cup 2017 – Ein Erlebnis in zwei Akten

9. November 2017 Geschrieben von admin. in Fitness- und Freizeitrudern

Fari Cup 2017 - Frauen-Vierer auf der Alster
Erster Akt

Die Ruhe nach dem Sturm

Erlebnisse aus dem Herren-Vierer von Heiner Wenk

Geschafft.
Wir waren aufgeregt.
Gemächlich sind wir über die Außenalster und durch den Alsterkanal zum Start gerudert. Wunderbares Spätherbstwetter, angespanntes Schweigen im Boot, unser Vierer stellt etwa ein Promille der Teilnehmer an dieser großen Herbstregatta in Hamburg dar. Eine endlose Reihe von Booten auf dem Weg zum Start, auf den letzten paar Hundert Metern einsortieren in die Startreihenfolge.
Warten.

Dann: Eine Anlegemöglichkeit. Alle wollen doch noch mal austreten: Das ist die Aufregung.
Alle 30 Sekunden fährt ein Boot los.

Es geht los. Dreiviertel, halb, halb, dreiviertel, volle Länge. 10 Dicke. Dann: 24er Schlag. Lang durchziehen. Beinstoß.

Nach den ersten 200 Metern merke ich: Das halte ich nicht durch. Die Atmung ist schnell, das Herz rast.
Und dann kommt er doch, der Rhythmus, der Dauerleitungsmodus. Aerobe Glykolyse. Jetzt läuft es, ausatmen beim Endzug, ruhiges Vorrollen, das Boot läuft gut, die Steuerfrau treibt uns an, zeigt sich aber mit der Leistung einverstanden. Positive Verstärkung nennt man das.

Dann kommen die Trommler, die kennt man schon vom letzten Mal. Wir wissen hier: Bald ist der Alsterkanal zu Ende und wir kommen auf die Außenalster.

Dort sind Wind und Welle, das Boot läuft nicht mehr ganz so harmonisch, aber wir überholen sogar einen anderen Vierer. Wieder: Positive Verstärkung.
Das Ziel kündigt sich an: Lautsprecherdurchsagen, Lärm, Musik.

Ich kann nicht mehr,
aber ich kann doch noch. Die Kraft war gut eingeteilt.

Noch hundert Meter ins Ziel. Dann die Hupe. 18 Minuten und ein paar Zerquetschte.
Ohne Kraft unter der Kennedybrücke durch auf die Binnenalster. Die Wasserfontäne in der Wintersonne: Ein Gedicht. Fotos. Die Bebauung: Prachtvoll. Hapag-Lloyd – da ist auch Bremen drin, in Hamburg.
Wie gut man sich jetzt fühlt: Das ist die Ruhe nach dem Sturm.

Wir sind voller Endorphine, Adrenalin, Serotonin, Dopamin.
Früher waren immer die Endorphine schuld am Wohlbefinden. Heute weiß man: Die gelangen gar nicht bis ins Gehirn. Machen wohl nur periphere Schmerzstillung.

Also: Doch das Serotonin?
Oder der Rhythmus?
Oder neue Synapsen?
Oder Dopamin?

Es ist egal. Dauerleistung macht glücklich. Nicht nur uns:

Ratten und Mäuse laufen gerne. Experimente aus den Neunziger Jahren haben bewiesen, dass Ratten, bei denen man im Käfig das Laufrad blockiert hatte, in Intelligenztests schlechter abschnitten als Tiere, die sich im Laufrad austoben durften.
Sicherlich wissen das auch die Arbeitgeber.
Wenn sich das Hamsterrad jedes Jahr schneller drehen soll, dann ist das aus reiner Fürsorge: Sie möchten, dass es uns einfach besser geht.

Wir rudern zum Steg zurück, ein Bier, Siegerehrung, Boote verladen, nach Bremen zurück in den Alltag, nein: In den Sonntag. Die Ruhe genießen.

 

Zweiter Akt

Rennen mit Debütantinnen

Erlebnisse aus dem Damen-Vierer von Wiebke Gloe-Carstensen

Ein Novembersamstag wie aus dem Bilderbuch: Es ist 10.30 Uhr und an der Straße „An der Alster“ schließen sich die letzten Parklücken des kleinen, abgesperrten Bereichs mit Bootsanhängern. Einen Sattelplatz hatte ich ganz anders in Erinnerung. – Aber dafür sind wir in Hamburg! Im Südosten kämpft sich die Sonne durch den hanseatischen Hochnebel, der über der Binnenalster mit dem Wassernebel der Fontäne verschwimmt. Herrlich, wieder einmal in Hamburg zu sein – meiner alten Wahlheimat. Damals hatte ich noch keine Vorstellung vom Rudern, sondern nahm die Alster eher als regelmäßige Kulisse meiner Trainingsläufe wahr… und ärgerte mich gelegentlich darüber, wenn mir von einem transportierten Ruderboot der Weg abgeschnitten wurde. Heute ist die Perspektive eine andere.

Noch dreieinhalb Stunden bis zum Start. Die Stimmung rund um den RV-OSCH-Anhänger, der durch Familienangehörige und angebotene Snacks aller Art belebt wird, ist locker und herzlich. Routiniert werden die „Hedwig“ und die „Schink“ aufgeriggert, Rennprognosen abgegeben und Strategien innerhalb der Mannschaft durch das Coaching von Brigitte Haase gefestigt. Zusammen mit Christine Duddeck darf ich heute mein Regatta-Debüt hinlegen. Ein gutes Gefühl – gemeinsam mit den erfahrenen Ruderinnen Jenny Furken, Katrin Strehl und Elke Näwig als Steuerfrau! Wir haben hart trainiert, sind aufeinander eingeschworen und strahlend bester Laune. Unsere einzige Sorge ist die Gewissheit, mindestens eine Stunde vor dem Start in Barmbeck im Sammelbecken warten zu müssen – bei frischen 10 Grad und ohne jede Chance, noch einmal Panik-Pipi entsorgen zu können.

Der Herren-Vierer darf eine halbe Stunde vor uns auf die Alster und ist längst außer Sichtweite, als wir unter der Ägide von Elke in See stechen, um zur vorgeschriebenen Zeit den Startbereich zu erreichen. Noch verdecken diverse Lagen wärmender Kleidungsstücke unsere Mannschaftstrikots. Rund vier Kilometer bis zum Start liegen vor uns: Reichlich Zeit, um während des Warmruderns die atemberaubend schöne Kulisse aus Kennedybrücke, Kirchtürmen und der Elbphilharmonie samt urbaner Skyline zu bestaunen. Noch dürfen wir nach rechts und links schauen: Am Ufer lassen wir stattliche Alstervillen hinter uns und schlängeln uns von den breiteren Alster-Arterien hinter der Krugkoppelbrücke bis ins Kapillarsystem Barmbecks Richtung Sammelbecken. Es wird immer enger und die Dichte der Boote nimmt stetig zu. Ich bin heilfroh, in Steuerfrau Elke einen erfahrenen Vollprofi zu wissen, der uns sicher an allen Klippen vorbei steuern wird. Wir rudern ganz achtsam. Schließlich gilt unsere gesamte Muskelkraft dem bevorstehenden Rennen! Das langsame Rudern steigert meine Lust, später absolut alles zu geben, von Minute zu Minute. Der Adrenalin-Spiegel in unseren Adern schaukelt sich hoch. Doch es hilft alles nichts: Die Warterei bis zur erlösenden Start-Aufstellung zieht sich weiter hin.

Dann geht auf einmal alles ganz schnell: Das Startsignal ertönt. Blitzschnell schalten wir in den Startmodus und beschleunigen die „Hedwig“ auf mehr als 26 Schläge pro Minute, um wenig später ganz langsam auf unseren 24er Rennmodus runterzufahren. Unsere lange, synchrone Wasserarbeit und das langsame Vorrollen katapultieren unser Boot vorwärts. Das hinter uns gestartete Gig der Lübecker Frauen rückt außer Sichtweite. Auf einmal taucht neben mir die Gabelung der Außenalster auf. Ich kann es kaum glauben: Zwei Drittel der Strecke liegen bereits hinter uns! Die Mannschaft hat noch Reserven, das spüre ich genau. Auf einmal verwandelt sich das stille Wasser des Nebenarms auf der Außenalster in Kabbelwasser. Der Wind frischt auf und verlangt uns alles ab, was noch in uns steckt: Konzentration beim Blätterhochscheren und Setzen, unbändige Kraft beim Beinstoß und Endzug sowie jede Menge Lungenvolumen.

Plötzlich erreichen wir die Zielgerade: Wir erhöhen noch einmal die Schlagzahl. Unsere Steuerfrau und unser Ehrgeiz mobilisieren die letzten Reserven. Unsere Lungen und Muskeln brennen. Auf einmal höre ich die Stimme des Sprechers am Steg, die im Gebrüll zahlreicher Stimmen untergeht. Das müssen unsere Herren sein, die bereits“ die Ruhe nach dem Sturm“ am Steg genießen und zusammen mit Brigitte samt Begleitstab unserem Finale entgegenfiebern. Wir passieren die gelbe Boje. Die Hupe tönt. Was für ein Rennen! Das Ergebnis: 19:57 und ein respektabler vierter Platz in einer Startgruppe von acht Booten.

Wanderfahrten der Alten Herren

12. Mai 2017 Geschrieben von admin. in Alte Herren

Barkenwanderfahrt Feldberger Seen 2013

Auch in 2017 bieten die Alten Herren wieder zwei verschiedene Barkenwanderfahrten an. Bei beiden Wanderfahrten gibt es noch freie Plätze. Bei Interesse bitte an Horst Göing wenden.

 

Barkenwanderfahrt auf der Müritz

Barkenwanderfahrt Neu Ruppin

Sicherheit auf dem Wasser

21. Januar 2017 Geschrieben von admin. in Aktuelles, Rudern, Rudern & Sport, Sportangebote, Vorstand

Rudern im Winter

Das Rudern ist ein Ganzjahressport geworden, und viele möchten auch im Winter nicht auf das Wassertraining verzichten. Die helle Tageszeit wird ausgenutzt so gut es geht und auch die Freizeitsportler verzichten vor allem am Wochenende bei trockenem Wetter nur ungern auf die Ausfahrten im Boot. Dagegen ist im Grunde auch nichts einzuwenden, wenn man sich über einige Fakten und Vorsichtsmaßnahmen im Klaren ist.

Besondere Vorsicht ist immer geboten. Das Eintauchen des Körpers ins kalte Wasser gilt es zu vermeiden. Auch hervorragende und erfahrene Ruderer können vor dem Kentern oder einem Vollschlagen ihres Bootes nie ganz sicher sein. Auch kann ein Bruch oder Aufspringen der Dolle, ein Wegrutschen des Klemmrings oder das Auffahren auf im Wasser treibende Gegenstände gerade im Kleinboot leicht zum Kentern führen.

Die möglichen Folgen und Folgerungen eines solchen Unglücks, die ich hier aufführen möchte, sind zusammengestellt aus dem Artikel Rudersport 24/2005.

“Kanadische und britische Studien haben gezeigt, dass 60 % der Ertrinkungsfälle in den ersten 15 Minuten passierten.” “An Unterkühlung sterben nur gut ein Drittel aller tödlich Verunglückten.” “Dabei gingen 63 Prozent der Unfallopfer in einem Abstand von weniger als 15 Meter zum Ufer unter. Viele waren nicht imstande, auch nur die letzten zwei Meter zu schwimmen.”

Worin liegen die Ursachen?

  1. Der Kälteschock: “Mit dem Eintauchen in kaltes Wasser werden Nervenendigungen in der Haut gereizt und lösen unmittelbar eine reflexartige Reaktion aus.” Kaum kontrollierbar beginnt ein sehr tiefer Atemzug, der, ist der Kopf noch unter Wasser, zum Inhalieren von Wasser, zu einem akuten Lungenversagen und sofort zum Ertrinken führen kann. Auch ein nicht unterdrückbares schnelles Atmen nach ca. 30 – 60 Sekunden kann zu Krämpfen führen. Das vermehrte Ausatmen von CO2 bei der unkontrollierten Hyperventilation führt zu Muskelzittern, Taubheitsgefühlen und einer Minderung der Gehirndurchblutung, was eine rasche Handlungsunfähigkeit zur Folge hat.
    Wenn der Kopf plötzlich vollständig unter Wasser gerät, kann es zum Verlust der Atemkontrolle und auch nach dem Auftauchen zur kurzfristigen Atemblockade kommen.
    Schon bei nur 15° C Wassertemperatur vermindert sich die Fähigkeit, die Luft anzuhalten um ca. 70 %. In 5° C kaltem Wasser findet man eine Reduktion von 45 auf nur noch 9,5 Sekunden. Dies und auch der “Kälteschmerz” können sehr schnell zur Panik führen, ein dadurch hervorgerufenes, plötzliches starkes Ausschütten von Stresshormonen kann bei vorgeschädigtem Herzen den Tod durch Infarkt zur Folge haben.
    Dringt kaltes Wasser in die Ohren, wird das Gleichgewichtsgefühl beeinträchtigt, was einen Orientierungsverlust zur Folge hat. Man weiß nicht mehr, wo oben und unten ist und taucht z. B. tiefer statt nach oben.
  2. Das Schwimmversagen: Werden Muskeln und Nerven kälter, kommt es zu einem rapiden Kraftverlust. Nach 3 – 30 Minuten im Wasser unter 15° C kommt es zum Verlust “des Streckvermögens, aber auch der gesamten Koordination von Schwimmbewegungen, bis zum völligen Schwimmversagen und zum Ertrinken.” Dies erklärt, warum sich in Großbritannien 55 % der Ertrinkungsunfälle innerhalb von 3 m Entfernung von der Rettungsmöglichkeit (Boot, Ufer) ereigneten.
  3. Die Unterkühlung: Sie hängt von vielen Faktoren ab: von Wassertemperatur und Kleidung, Seegang und Strömung, Produktion von Körperwärme durch Kältezittern und Bewegung, dem Verhältnis von Körpermaß zur Körperoberfläche, der Dicke des Unterhautfettgewebes, von körperlicher Fitness, von vorheriger Nahrungsaufnahme, Körperposition im Wasser sowie der Willensstärke des Verunglückten. Der vorherige Genuss von Alkohol beschleunigt die Abkühlung durch die Erweiterung der peripheren Adern.
  4. Kollaps nach Rettung: Auch Stunden nach der Bergung aus dem Wasser ereignen sich noch viele Todesfälle. Als Ursachen werden der Verlust der Kreislaufstabilisierung durch das Wasser, ein Mangel an Kreislaufvolumen, Bluteindickung, Unterkühlung des Herzens sowie der psychische Stress genannt. Es kann auch zu einem weiteren Absinken der Kerntemperatur durch den Rückfluss kalter Blutflüssigkeit aus den Extremitäten kommen.

Wie kann ich nun bei all diesen Gefahren vorbeugen, was sollte ich beachten, wenn ich im Winter trotzdem rudern möchte?

  • Meine eigenen Fähigkeiten sollten besonders gut geprüft werden.
  • Dem Wetter schenke ich besondere Beachtung.
  • Das Boots- und Rudermaterial überprüfe ich auf Funktion und Ordnungsmäßigkeit intensiver als sonst üblich.
  • Die eigene Rettung kann ich vor der Fahrt mental planen.
  • Ein wasserdicht und schwimmfähig verpacktes Mobiltelefon mit programmierter Notrufnummer trage ich am Körper oder ich vergewissere mich, dass mindestens einer aus dem Boot eins dabei hat.
  • Im Kleinboot sollte ich nicht allein, sondern nur in Begleitung anderer oder des Trainers im Motorboot raus fahren und mich nicht zu weit entfernen. In unserem Gebiet beispielsweise bis zur Fußgängerbrücke.
  • Eine Rettungsweste ist zu empfehlen. Es gibt solche, mit denen man ungehindert rudern kann und die durch Ruderer erprobt sind.
  • Geeignete Kleidung, engmaschige Socken, Hose enganliegend und atmungsaktiv, Jacke, hochatmungsaktiv und wasserdicht und Mütze in Signalfarbe können im Ernstfall von entscheidender Bedeutung sein.
  • Renn- und Gig-Großboote haben oft zu wenig eigenen Auftrieb, hier helfen zusätzlich eingebrachte, aufgeblasene Luftsäcke.

Wie verhalte ich mich, wenn der Ernstfall des Kenterns oder Vollschlagens trotz aller Vorsicht doch eintritt?

  • Ich halte den Kopf über Wasser und bringe meine Atmung unter Kontrolle!
  • Wir bleiben alle zusammen am Boot und versuchen den Körper so weit wie möglich aus dem Wasser bekommen, Oberkörper auf den Bootsrumpf legen, gegebenenfalls Ruder als Schwimmhilfe benutzen.
  • Wir rufen Rettung durch lautes Rufen oder per Handy herbei.
  • “Positiv” denken, die Rettung kommt ganz bestimmt!!
  • Kopfbedeckung/Mütze aufsetzen, um Energie zu sparen.
  • Wenn keine Möglichkeit besteht aus dem Wasser zu kommen: Kopf aus dem Wasser halten, alle Körperbewegungen minimieren und allenfalls die Beine bewegen.
  • „Die Entscheidung zur Selbstrettung durch Schwimmen ans Ufer sollte ausdrücklich der letzte Ausweg wegen Gefahrenstellen wie Wehren und Staustufen sein, weil sie am wenigsten Aussicht auf Erfolg hat.” Dies trifft vor allen Dingen auf Flüsse und Seen zu und wenn dann mit dem Boot schwimmen.

 Wie verhalte ich mich als Retter? Was kann ich tun, um Verunglückten zu helfen?

  • Ich rufe so schnell wie möglich professionelle Hilfe.
  • Wenn notwendig, gehe ich als Retter so langsam wie möglich ins Wasser und schwimme erst dann, wenn meine Atmung unter Kontrolle ist, sonst braucht ich selbst Hilfe.
  • Das Unfallopfer bringe ich bei der Bergung so schnell wie möglich in die horizontale Lage, um einen Kollaps zu vermeiden.
  • Ich decke das Opfer zu, um es vor weiterem Wärmeverlust zu schützen.
  • Ich bringe oder lasse das Unfallopfer umgehend ins Krankenhaus bringen.

In meinem Schlusssatz schließe ich mich den Ausführungen der Rudersport-Autoren Dr. med. Frank Praetorius, Kardiologe Offenbach und Carl-Friedrich Ratz, Berlin an:

“Mit den Ideen und Maßnahmen sollen für Ruderer einfache Möglichkeiten zur Verbesserung der Sicherheit und Rettung aufgezeigt werden – ohne Anspruch auf Methodenkompetenz und Vollständigkeit. Es sollte jeder selbst und hoffentlich im “Warmen” entscheiden.”

Ich hoffe, dass niemand von uns in die Lage kommen wird, diese Ideen und Maßnahmen zu brauchen.

In diesem Sinne: fröhliches Winterrudern!